Forschungsprojekt und Dissertation
Hub, Berthold
Das von Antonio di Pietro Averlino, genannt Filarete, um 1460/65 verfasste Libro architettonico, das in der Form eines Dialoges mit dem Mailänder Herzog Francesco Sforza und dessen Sohn Galeazzo Maria Sforza von der idealen Planung und Errichtung einer nach ihrem fürstlichen Bauherren "Sforzinda" genannten Stadt und ihres Hafens erzählt, ist bisher beinahe ausschließlich Gegenstand der Kunstgeschichtsschreibung gewesen, die diese Schrift stets behandelt hat, als wäre sie ein bloßes (und im Vergleich zu Leon Battista Alberti äußerst minderwertiges) Architekturtraktat. Alles, was von ihr nicht in die Tradition dieser Gattung eingeordnet oder mit der gebauten Architektur in Verbindung gebracht werden konnte, wurde voreilig als fantastische oder romantische, jedenfalls bedeutungslose Digressionen zur Unterhaltung des Lesers abgetan.
Durch eine genaue Lesung dieser bisher wenig oder gar nicht beachteten Stellen im Zusammenhang des ganzen Textes einerseits, sowie durch ein interdisziplinäres Studium möglicher Quellen und Parallelen andererseits, wird Filaretes Libro architettonico als kristallines Dokumente seiner Zeit auszuweisen gesucht. Dabei soll die Schrift und ihre Abbildungen nicht nur in einem breiteren kulturgeschichtlichen Kontext situiert werden, sondern ihrerseits neue Blickwinkel und Erkenntnisse für eben diesen Kontext gewinnen lassen. Letztlich geht es um die Klärung allgemeinerer Fragen der Kunst- und Kulturgeschichte der italienischen Frührenaissance, wie um das Verhältnis von gebauter und imaginierter Architektur, um ein plurales Antikenverständnis, um den Einfluss des nahen und fernen Osten auf Italien, um die Eigenart der Episteme der frühen Renaissance zwischen Magie und Humanismus, um Förderliches und Hinderliches in der Entwicklung der neuzeitlichen Wissenschaften, ferner um die Entstehung der neuzeitlichen Gattung der literarischen Utopie, als deren Vorläufer Filarete gelten muss.
Erst vor diesem breiten Hintergrund sollen sodann auch die engeren kunsthistorischen Fragen neu behandelt werden, etwa das Selbstverständnis des Architekten der italienischen Frührenaissance, seine Stellung am Mailänder Hof, sein Verhältnis zu seinem Bauherrn Francesco Sforza, das Verhältnis des Traktates zur gebauten Architektur Filaretes, sowie der von Florenz und Mailand, zu anderen Architekturtraktaten, insbesondere zu jenen Leon Battista Albertis und Francesco di Giorgio Martinis. Neue Einsichten zu der von Filarete in seinem Libro architettonico verwendeten Tierallegorien wird zu einer neuen Interpretation seiner Portraitmedaille führen.
Laufzeit: seit Oktober 2004
Hub, Berthold
Das von Antonio di Pietro Averlino, genannt Filarete, um 1460/65 verfasste Libro architettonico, das in der Form eines Dialoges mit dem Mailänder Herzog Francesco Sforza und dessen Sohn Galeazzo Maria Sforza von der idealen Planung und Errichtung einer nach ihrem fürstlichen Bauherren "Sforzinda" genannten Stadt und ihres Hafens erzählt, ist bisher beinahe ausschließlich Gegenstand der Kunstgeschichtsschreibung gewesen, die diese Schrift stets behandelt hat, als wäre sie ein bloßes (und im Vergleich zu Leon Battista Alberti äußerst minderwertiges) Architekturtraktat. Alles, was von ihr nicht in die Tradition dieser Gattung eingeordnet oder mit der gebauten Architektur in Verbindung gebracht werden konnte, wurde voreilig als fantastische oder romantische, jedenfalls bedeutungslose Digressionen zur Unterhaltung des Lesers abgetan.
Durch eine genaue Lesung dieser bisher wenig oder gar nicht beachteten Stellen im Zusammenhang des ganzen Textes einerseits, sowie durch ein interdisziplinäres Studium möglicher Quellen und Parallelen andererseits, wird Filaretes Libro architettonico als kristallines Dokumente seiner Zeit auszuweisen gesucht. Dabei soll die Schrift und ihre Abbildungen nicht nur in einem breiteren kulturgeschichtlichen Kontext situiert werden, sondern ihrerseits neue Blickwinkel und Erkenntnisse für eben diesen Kontext gewinnen lassen. Letztlich geht es um die Klärung allgemeinerer Fragen der Kunst- und Kulturgeschichte der italienischen Frührenaissance, wie um das Verhältnis von gebauter und imaginierter Architektur, um ein plurales Antikenverständnis, um den Einfluss des nahen und fernen Osten auf Italien, um die Eigenart der Episteme der frühen Renaissance zwischen Magie und Humanismus, um Förderliches und Hinderliches in der Entwicklung der neuzeitlichen Wissenschaften, ferner um die Entstehung der neuzeitlichen Gattung der literarischen Utopie, als deren Vorläufer Filarete gelten muss.
Erst vor diesem breiten Hintergrund sollen sodann auch die engeren kunsthistorischen Fragen neu behandelt werden, etwa das Selbstverständnis des Architekten der italienischen Frührenaissance, seine Stellung am Mailänder Hof, sein Verhältnis zu seinem Bauherrn Francesco Sforza, das Verhältnis des Traktates zur gebauten Architektur Filaretes, sowie der von Florenz und Mailand, zu anderen Architekturtraktaten, insbesondere zu jenen Leon Battista Albertis und Francesco di Giorgio Martinis. Neue Einsichten zu der von Filarete in seinem Libro architettonico verwendeten Tierallegorien wird zu einer neuen Interpretation seiner Portraitmedaille führen.
Laufzeit: seit Oktober 2004


