Dissertation
Gerber, Andri
 



Untersucht wird in dieser Arbeit die metaphorische Beschreibung der Stadt im zeitgenössischen Städtebaudiskurs und die Auswirkung dieser auf das gebaute Umfeld.
Die Untersuchung geht von der Beobachtung aus, dass je komplexer die Stadt wird, desto häufiger Metaphern verwendet werden um diese zu erfassen. Gerade in den letzten 50 Jahren kann im Städtebaudiskurs eine Explosion von Städtebaumetaphern nachgezeichnet werden, ohne aber, dass dieses Phänomen je erfasst oder untersucht worden sei. Wieso werden Metaphern verwendet, wie werden sie angewendet, wie sollen diese bewertet werden und was für Folgen haben diese für die gebaute Umwelt, sind die Fragen die hier gestellt werden.
Aus diesen Fragen und aufgrund der Auseinandersetzung mit der allgemeinen Metapherntheorie sollen einerseits Merkmale und Eigenschaften, anderseits eine Taxonomie der Stadtmetaphern aufgestellt werden. Eine Reihe von Beispielen werden also nach Ziel, Methode und Resultat anhand von Kategorien der allgemeinen Metapherntheorie hinterfragt um daraus die Eigenschaften und Probleme der Stadtmetaphern zu gewinnen.
Wir beziehen uns dabei auf die Entwicklung der Metaphernforschung von der traditionellen Substitutions- zur zeitgenössischen Interaktionstheorie. Erstere besagt dass die Metapher nichts anderes als der Austausch eines Begriffes durch einen anderen ausmacht, letztere behauptet hingegen dass die Metapher eine kognitive, modell-bildende Funktion haben kann.
Die wesentlichste Frage die sich hierbei stellt, ist die nach der Verschränkung von „tenor“ und „vehicle“ (Träger und Inhalt, zwei Begriffe der modernen Metaphernforschung von I.A. Richards) in der Stadtmetapher. Kann ich ohne weiteres von einer kranken Stadt sprechen, so wird die Stadt nie wirklich krank sein. Entsprechend stellt sich die Frage ob man im Zusammenhang von gebauten Umfeld überhaupt von Metaphern sprechen darf oder nicht eher die Rede von Analogien sein sollte. In diesem Zusammenhang unterscheiden wir zwischen formalen – z.B. die Netzstadt – und inhaltliche – z.B. die Stadt als Text – Stadtmetaphern. Wir stellen dabei fest, dass Erstere durchaus diese Verschränkung gewährleisten können – die Stadt kann Netzwerkförmig sein – dabei aber immer ein „Bild“ der Stadt produzieren, während im zweiten Fall die Verschränkung nicht möglich ist.
Um der Frage nach dieser Unmöglichkeit der Verschränkung nachzugehen, wird eine Fallstudie untersucht, die „Stadt als Text“ Metapher des amerikanischen Architekten Peter Eisenman. Dieser versucht innerhalb dieser Metapher, die Übereinstimmung von Stadt und Text zu beweisen und in seinen Projekten zu bewerkstelligen und somit die Möglichkeit dieser Verschränkung vor allem durch einen Bezug auf die amerikanische postmoderne Literatur, zu beweisen. Dieser Versuch nennen wir die „Utopie der erzählenden Stadt“, weil dabei die Stadt nicht zum Objekt und Bild – wie es der Fall der formalen Metaphern ist -, sondern zum Subjekt einer Erzählung – was Eisenman als den Gegenpol des Bildhaften bezeichnet - wird. Damit wird auch versucht das Werk von Eisenman aus einer neuen Perspektive zu zeigen; nicht mehr in Bezug auf den unzähligen Referenzen zur Philosophie die er selber aufgestellt hat, sondern in Bezug zu einer bestimmten Literatur, die in seinem Werk bisher nur andeutungsweise thematisiert wurde.
Die Arbeit soll also einerseits ein Bewusstsein und Instrumente im Umgang mit Stadtmetaphern entwickeln und damit das Werk von Eisenman als Fallbeispiel vertieft untersuchen und neu präsentieren.


Laufzeit: abgeschlossen