Forschungsprojekt und Dissertation
Dufner, Oliver
Die Geschichte der Kunst ist seit den 1960er Jahren durch eine Anzahl fundamentaler Veränderungen geprägt. Ausgehend von den klassischen Gattungen Malerei und Skulptur haben sich neue Kunstbereiche entwickelt; einstmals klare Grenzen sind brüchig geworden. Diese Entwicklung führt zu einer grundsätzlichen Revision des Verhältnisses von Künstler und Rezipient. Der Betrachter ist nicht mehr ausschliesslich Konsument, sondern wird aufgefordert, das Gesehene als Kunst zu erfassen und mitunter auch in einen aktiven Dialog mit der künstlerischen Arbeit zu treten. Diese Tendenz gilt in besonderem Masse für die Installationskunst und die grossformatige Skulptur. Innerhalb dieser Kunstfelder hat sich in den letzten Jahren eine als architekturnah bezeichnete Kunst etabliert, die sich durch ein explizites Interesse an architektonischen Themen auszeichnet. Viele Künstlern - zu nennen sind ua. Vito Acconci, Dan Graham, Absalon, Joep van Lieshout, Andrea Zittel und Tadashi Kawamata - produzieren räumliche, oft begehbare Gebilde, die durch ihren Massstab, ihre Materialität, ihre Konstruktion, den Kontextbezug sowie die Fügung ihrer stilistischen Elemente unweigerlich architektonische Assoziationen evozieren. Bedingt durch ihre visuelle Nähe zur Architektur werden die Werke auch in der gegenwärtigen Architekturdebatte wahrgenommen und dienen oftmals als Bindeglied zu einem vermuteten gemeinsamen Hintergrund von Kunst und Architektur.
Die als Dissertation angelegte Forschung will aus der Sicht eines Architekten diese Liaison über den Zeitraum der letzten drei Jahrzehnte verfolgen. Ich gehe der Frage nach, ob über die formale Ebene hinaus eine inhaltliche Verwandtschaft der beiden Bereiche besteht. Der Blick von der Kunst zur Architektur geschieht mit Hilfe eines architekturtheoretischen Vokabulars und soll aufzeigen, inwieweit Kunst, die architektonische Bilder evoziert auch mit den Mitteln der Architekturrezeption und -analyse begriffen werden kann. Können die Kunstwerke in Bezug zur gleichzeitigen theoretischen Architekturdebatte gesetzt werden? Lassen sich Entwicklungen in der Architektur in den Werken der Installationskunst wiederentdecken? Sind beispielsweise Veränderungen im Bereich der Architektur, z.B. von einer typologischen Emblematik und semantischen Bedeutung hin zum Interesse an Oberflächenmaterialität und Atmosphäre, von einer kontextuell geprägten zu einer eher objektbezogenen Sprache, auch in der Kunstproduktion ablesbar? Von zentralem Interesse ist, inwieweit auf diese Weise neue Kriterien für die Rezeption von Installationskunst und Architektur entwickelt werden können und ob sich daraus eine Definition eines übergeordneten "postmodernen Raumgefühls" (Jameson) ableiten lässt.
Laufzeit: April 2001 - April 2005
Dufner, Oliver
Die Geschichte der Kunst ist seit den 1960er Jahren durch eine Anzahl fundamentaler Veränderungen geprägt. Ausgehend von den klassischen Gattungen Malerei und Skulptur haben sich neue Kunstbereiche entwickelt; einstmals klare Grenzen sind brüchig geworden. Diese Entwicklung führt zu einer grundsätzlichen Revision des Verhältnisses von Künstler und Rezipient. Der Betrachter ist nicht mehr ausschliesslich Konsument, sondern wird aufgefordert, das Gesehene als Kunst zu erfassen und mitunter auch in einen aktiven Dialog mit der künstlerischen Arbeit zu treten. Diese Tendenz gilt in besonderem Masse für die Installationskunst und die grossformatige Skulptur. Innerhalb dieser Kunstfelder hat sich in den letzten Jahren eine als architekturnah bezeichnete Kunst etabliert, die sich durch ein explizites Interesse an architektonischen Themen auszeichnet. Viele Künstlern - zu nennen sind ua. Vito Acconci, Dan Graham, Absalon, Joep van Lieshout, Andrea Zittel und Tadashi Kawamata - produzieren räumliche, oft begehbare Gebilde, die durch ihren Massstab, ihre Materialität, ihre Konstruktion, den Kontextbezug sowie die Fügung ihrer stilistischen Elemente unweigerlich architektonische Assoziationen evozieren. Bedingt durch ihre visuelle Nähe zur Architektur werden die Werke auch in der gegenwärtigen Architekturdebatte wahrgenommen und dienen oftmals als Bindeglied zu einem vermuteten gemeinsamen Hintergrund von Kunst und Architektur.
Die als Dissertation angelegte Forschung will aus der Sicht eines Architekten diese Liaison über den Zeitraum der letzten drei Jahrzehnte verfolgen. Ich gehe der Frage nach, ob über die formale Ebene hinaus eine inhaltliche Verwandtschaft der beiden Bereiche besteht. Der Blick von der Kunst zur Architektur geschieht mit Hilfe eines architekturtheoretischen Vokabulars und soll aufzeigen, inwieweit Kunst, die architektonische Bilder evoziert auch mit den Mitteln der Architekturrezeption und -analyse begriffen werden kann. Können die Kunstwerke in Bezug zur gleichzeitigen theoretischen Architekturdebatte gesetzt werden? Lassen sich Entwicklungen in der Architektur in den Werken der Installationskunst wiederentdecken? Sind beispielsweise Veränderungen im Bereich der Architektur, z.B. von einer typologischen Emblematik und semantischen Bedeutung hin zum Interesse an Oberflächenmaterialität und Atmosphäre, von einer kontextuell geprägten zu einer eher objektbezogenen Sprache, auch in der Kunstproduktion ablesbar? Von zentralem Interesse ist, inwieweit auf diese Weise neue Kriterien für die Rezeption von Installationskunst und Architektur entwickelt werden können und ob sich daraus eine Definition eines übergeordneten "postmodernen Raumgefühls" (Jameson) ableiten lässt.
Laufzeit: April 2001 - April 2005


