Forschungsprojekt
Dr. Sylvia Claus, Kathrin Siebert, Studierende des MAS
 

Kurzbeschreibung


Lux Guyer machte sich als erste Architektin in der Schweiz einen Namen mit raffinierten Wohnhäusern für moderne Familien, allein lebende berufstätige Frauen, Studentinnen oder ältere Menschen. Seit dem Erscheinen der ersten Werkübersicht vor über 20 Jahren fehlt ihr Name in keiner Geschichte der jüngeren Schweizer Architektur. Doch diese erste Annäherung an Guyer, die das Institut gta aus dem Nachlass der Architektin 1983 herausgebracht hat, war längst vergriffen, und eine andere Publikation, die das Werk der Architektin in seiner Gesamtheit würdigte, bislang nicht greifbar.

Das MAS Geschichte und Theorie der Architektur hat sich an der Ende 2009 im gta-Verlag erschienenen, das Werk grundlegend neu aufarbeitenden, von Dorothee Huber, Beate Schnitter und Sylvia Claus herausgegebenen Monographie über Guyer beteiligt. Über die im Studienprogramm ohnehin vorgesehenen wissenschaftlichen Arbeiten hinaus verfassten die Studierenden den historisch-kritischen Werkkatalog. Sie arbeiteten damit nicht nur einen exemplarischen Teil der Schweizer Architekturgeschichte der Klassischen Moderne auf, sondern auch das Oeuvre einer der ersten Architektinnen europaweit, die diesen Beruf professionell ergriffen und ausgeübt haben. Da dieser Werkkatalog Teil einer Monographie ist, erfuhren die Studierenden auch, wie ihre Forschungen in eine Publikation münden.


Didaktisches Programm


Der Abfassung von Texten kommt in unserem Studiengang besondere Bedeutung zu. Das Schreiben ist eines der Hauptinstrumente nicht nur des disziplinären Diskurses, sondern auch der Selbstvergewisserung bei der Erarbeitung der Fundamente dieses Diskurses. Gerade das wissenschaftliche Schreiben, das in der regulären Ausbildung der Architekten nur eine untergeordnete Rolle spielt, bedarf jedoch intensiver Übung. Diskussion und Kritik von Texten gewinnen an Plausibilität, wenn sie an (bzw. in) ein reales Projekt (ein)gebunden sind. Die Beteiligung der Studierenden an der wissenschaftlichen Publikation verband die Lernziele des MAS-Programmes auf einzigartige Weise. Die Studierenden hatten die Möglichkeit, den Werkkatalog zum Oeuvre Lux Guyers zu verfassen. Dabei handelte es sich um ca. 60 Projekte der Architektin, die die Studierenden historisch-kritisch kommentiert haben. Sie mussten den Nachlass der Architektin, der sich im gta-Archiv befindet, auswerten sowie weitere Recherchen in anderen Archiven durchführen und ihre Erkenntnisse in einen publikationsfähigen Kommentar münden lassen. Diesen stellten sie dem wissenschaftlichen Gremium der Herausgeber und Autoren der Aufsätze zur Diskussion.
Um die Arbeit der Studierenden zu unterstützen, bot die Dozentin ein Seminar mit dem doppelten Stundenpensum an. Im Seminar wurde am Vormittag mit den Studierenden der kulturhistorische Bezugsrahmen erarbeitet, der notwendig war, um das Oeuvre Lux Guyers seriös einordnen zu können. Am Nachmittag wurden jeweils Exkursionen zu den Bauten Lux Guyers durchgeführt, so dass trotz der Aufteilung des Werkkataloges auf einzelne Bearbeiter ein gemeinsames Basiswissen zu relevanten Aspekten des Guyerschen Oeuvres erworben wurde. Dreimal im Semester wurden in ganztägigen Workshops die studentischen Katalogtexte diskutiert, gegenseitig kritisiert, Probleme bei der Recherche und beim Abfassen der einzelnen Texte besprochen. Darüberhinaus führte die Dozentin individuelle Besprechungen und Kritiken der Texte durch und übernahm die Schlussredaktion der studentischen Texte.
Die Studierenden erhielten in ihrer Arbeit einen ganz unmittelbaren Einblick in die Entstehung (und zugleich in die Relativität) historischer Aussagen. Da es sich um eine konkrete Aufgabe handelte, die in ein real erscheinendes Buch mündete, war die Bereitschaft der Studierenden daran mitzuwirken, ausserordentlich gross. Sie erarbeiteten ihr kulturhistorisches Wissen zur Schweizer Architektur aktiver als bisher und reflektierten das Gelernte auf neuartige Weise.


Weiterführende Informationen

Forschungsdatenbank der ETHZ
gta-Verlag