Forschungsprojekt
Ákos Moravánszky, Bernhard Langer, Elli Mosayebi (Hrsg.)
Die Bonmots von Adolf Loos zu so verschiedenen Themen wie Damenwäsche, Tafelsitten oder Kunst-gewerbe werden in Architekturdiskussionen oft zitiert. Es ist deshalb nicht verwunderlich, dass Loos lange eher als scharfzüngiger Kritiker der Architektur seiner Zeitgenossen bekannt war, vor allem seine Ornamentfeindlichkeit wurde zu seiner Signatur. Seine Bauten wurden jedoch bisher kaum im Zusam-menhang mit seinen „Loosungen“ analysiert. Sie werden von den meisten Autoren eher als Beleg für die architekturtheoretischen Überlegungen von Loos erwähnt, eine vertiefte Auseinandersetzung mit dem gebauten Werk fehlt jedoch bis auf wenige Ausnahmen bis heute.
Deshalb versucht diese Publikation, die theoretischen Äusserungen, das architektonische Programm von Loos im Kontext seines gebauten Werkes zu untersuchen. Wichtige Themen sind die gesellschaftliche Rolle des Architekten, der architektonische Raum, das Loos’sche „Prinzip der Bekleidung“, sein Verhält-nis zur klassischen Tradition und zum Jugendstil. In der Loos-Literatur bereits oft besprochenen Fragen wie die Ablehnung des Ornaments oder das Problem der Konstruktion werden anhand von Interviews mit Loos-Kennern wie Hermann Czech, Adolf Krischanitz und Andrea Deplazes, die selbst praktizierende Architekten sind, neu und kritisch unter die Lupe genommen.
Die Geschichte der Loos-Interpretationen zeigt, dass jede Periode versucht, seine Texte und Bauten von aktuellen Interessen aus anzunähern. Es gibt funktionalistische und anti-fuktionalistische, warenästheti-sche und rationalistische, feministische und marxistische Loos-Studien. Wir können nur dann etwas mehr als eine weitere Zugabe zur Liste der Loos-Interpretationen erwarten, wenn wir neben den Texten die Bauten, Räume, Oberflächen und Details betrachten. So werden wir entdecken, dass der meistens als Moralist und Asket dargestellte Loos gegen seine eigenen Gesetze, gegen den Geist seiner „Loo-sungen“ verstossen hat. Nicht das Ornament war sein Hauptfeind; die ganze Ornament-Diskussion er-scheint eher als ein Nebenschauplatz seines Kriegs gegen eine veraltete Idee des Schönen in der Archi-tektur – und für eine zeitgemässe Norm des Geschmacks. Mit seiner Kritik wollte er die geschmacklichen Normen des Habsburgerreiches der Lächerlichkeit preisgeben.
Die meisten Architekten der Moderne argumentierten im Namen der Rationalität der neuen, technischen Welt und forderten eine entsprechende Ästhetik. Erst viel später erkannte man, dass der menschliche Körper und seine Sinne gegen eine ästhetische Ideologie revoltieren, die ihm eine abstrakte Vorstellung von Rationalität aufzwingen wollen. In Wien von Freud und Schnitzler waren die psychologischen Kon-sequenzen der ästhetischen Disziplinierung des Menschen hingegen schon früh klar. Im Unterschied zu den meisten „Meistern“ der Moderne ging es Loos deshalb um die Neubegründung der Architektur auf einer anthropologischen Grundlage; er hat seine Forderungen gerne mit psychologischen Argumenten unterstützt. Ästhetik hatte für ihn nichts mehr mit dem Kunst-Schönen sondern mit Formen der sinnlichen Erfahrung zu tun, so auch mit der Bequemlichkeit. Heute, als Kunst, Architektur und Design zusammen als Lebensstil verpackt angeboten werden, haben die „Loosungen“ eine neue Aktualität.
Ákos Moravánszky
Laufzeit: Sommer 2007 - Herbst 2008
Ákos Moravánszky, Bernhard Langer, Elli Mosayebi (Hrsg.)
Die Bonmots von Adolf Loos zu so verschiedenen Themen wie Damenwäsche, Tafelsitten oder Kunst-gewerbe werden in Architekturdiskussionen oft zitiert. Es ist deshalb nicht verwunderlich, dass Loos lange eher als scharfzüngiger Kritiker der Architektur seiner Zeitgenossen bekannt war, vor allem seine Ornamentfeindlichkeit wurde zu seiner Signatur. Seine Bauten wurden jedoch bisher kaum im Zusam-menhang mit seinen „Loosungen“ analysiert. Sie werden von den meisten Autoren eher als Beleg für die architekturtheoretischen Überlegungen von Loos erwähnt, eine vertiefte Auseinandersetzung mit dem gebauten Werk fehlt jedoch bis auf wenige Ausnahmen bis heute.
Deshalb versucht diese Publikation, die theoretischen Äusserungen, das architektonische Programm von Loos im Kontext seines gebauten Werkes zu untersuchen. Wichtige Themen sind die gesellschaftliche Rolle des Architekten, der architektonische Raum, das Loos’sche „Prinzip der Bekleidung“, sein Verhält-nis zur klassischen Tradition und zum Jugendstil. In der Loos-Literatur bereits oft besprochenen Fragen wie die Ablehnung des Ornaments oder das Problem der Konstruktion werden anhand von Interviews mit Loos-Kennern wie Hermann Czech, Adolf Krischanitz und Andrea Deplazes, die selbst praktizierende Architekten sind, neu und kritisch unter die Lupe genommen.
Die Geschichte der Loos-Interpretationen zeigt, dass jede Periode versucht, seine Texte und Bauten von aktuellen Interessen aus anzunähern. Es gibt funktionalistische und anti-fuktionalistische, warenästheti-sche und rationalistische, feministische und marxistische Loos-Studien. Wir können nur dann etwas mehr als eine weitere Zugabe zur Liste der Loos-Interpretationen erwarten, wenn wir neben den Texten die Bauten, Räume, Oberflächen und Details betrachten. So werden wir entdecken, dass der meistens als Moralist und Asket dargestellte Loos gegen seine eigenen Gesetze, gegen den Geist seiner „Loo-sungen“ verstossen hat. Nicht das Ornament war sein Hauptfeind; die ganze Ornament-Diskussion er-scheint eher als ein Nebenschauplatz seines Kriegs gegen eine veraltete Idee des Schönen in der Archi-tektur – und für eine zeitgemässe Norm des Geschmacks. Mit seiner Kritik wollte er die geschmacklichen Normen des Habsburgerreiches der Lächerlichkeit preisgeben.
Die meisten Architekten der Moderne argumentierten im Namen der Rationalität der neuen, technischen Welt und forderten eine entsprechende Ästhetik. Erst viel später erkannte man, dass der menschliche Körper und seine Sinne gegen eine ästhetische Ideologie revoltieren, die ihm eine abstrakte Vorstellung von Rationalität aufzwingen wollen. In Wien von Freud und Schnitzler waren die psychologischen Kon-sequenzen der ästhetischen Disziplinierung des Menschen hingegen schon früh klar. Im Unterschied zu den meisten „Meistern“ der Moderne ging es Loos deshalb um die Neubegründung der Architektur auf einer anthropologischen Grundlage; er hat seine Forderungen gerne mit psychologischen Argumenten unterstützt. Ästhetik hatte für ihn nichts mehr mit dem Kunst-Schönen sondern mit Formen der sinnlichen Erfahrung zu tun, so auch mit der Bequemlichkeit. Heute, als Kunst, Architektur und Design zusammen als Lebensstil verpackt angeboten werden, haben die „Loosungen“ eine neue Aktualität.
Ákos Moravánszky
Laufzeit: Sommer 2007 - Herbst 2008


