SNF-Forschungsprojekt
Laurent Stalder
 



Das vorliegende Projekt setzt sich zum Ziel, am Beispiel der Congrès Internationaux d’Architecture Moderne (CIAM) in der Nachkriegs-Zeit nach der Bedeutung zu fragen, welche Interessengruppen oder Institutionen in der Vermittlung, Verbreitung und Durchsetzung weltweiter Konventionen von Architektur einnehmen. Die CIAM wiederspiegeln nicht nur diese Entwicklung, die sich bis heute in der architektonischen Praxis nachzeichnen lässt, sondern haben diese auch gefördert.
Die CIAM gelten als eine der bedeutendsten Vereinigungen der Architektur des 20. Jahrhunderts. 1928 als kleine Avantgarde-Gruppe gegründet, entwickelten sie sich in der Nachkriegszeit zu einer einflussreichen internationalen Institution. Das Forschungsvorhaben "Organizing Modernism" will einerseits die Mechanismen aufzeigen, nach denen die CIAM in den 1950er und 1960er Jahren ihre Wirkung als Institution entfalteten. Andererseits widmet sich das Projekt einer genauen Untersuchung der architektonischen und städtebaulichen Projekte der CIAM-Teilnehmer, um deren Stellenwert in der Etablierung der Moderne zu bezeichnen. Allein die Zahl und das Ansehen der Kongressteilnehmer der Zweiten Nachkriegszeit, deren führende Rolle in internationalen, universitären oder staatlichen Institutionen sowie die weltweite Ausstrahlung der CIAM-Doktrin in der architektonischen und städtebaulichen Praxis der Nachkriegs-Zeit sind, ungeachtet der damit verbundenen Chancen und Risiken, beachtlich.
In der bisherigen Forschung wurden die Nachkriegs-CIAM primär aus der Perspektive chronologischer Abläufe oder in Bezug auf thematische Ansätze innerhalb der Vereinigung angegangen. Demgegenüber betrachtet das vorliegende Projekt die Struktur und die Organisation der Institution CIAM als massgebend — auch für die Belange der Architektur. Es bewertet die CIAM somit als symptomatisch für die neuen Beziehungen und Interessen, die sich in der Nachkriegszeit zwischen Architektur, Wirtschaft, Politik und Gesellschaft etablieren, und betrachtet sie folglich auch im grösseren Rahmen vergleichbarer und miteinander konkurrierender Institutionen wie der UNESCO oder der UIA, dem Beaux-Arts-System, Schulen wie der ETH oder dem Werkbund.

Das Forschungsvorhaben konzentriert sich auf zwei Schwerpunkte, die in Form von zwei Dissertationen realisiert werden sollen. Projekt A "Die CIAM als Institution" untersucht die Mechanismen, nach denen die Nachkriegs-CIAM sowohl als Institution wie auch in der Institutionalisierung der modernen Architektur Wirkung entfaltete oder zu entfalten suchte. Projekt B "CIAM-Projekte: Architektur und Städtebau" fokussiert auf die architektonischen und städtebaulichen Projekte, die einerseits schlichte Instrumente zur Durchsetzung der CIAM-Ziele in der Nachkriegszeit waren, andererseits aber auch als wesentlicher Motor des CIAM Diskurses in der Nachkriegszeit dienten.

Vom Schweizerischen Nationalfond (SNF) finanziertes Projekt (Beginn: Oktober 2012)