Dissertation
Grämiger, Gregory
 



Bibliotheken und andere Sammlungen sind Schauplätze des Wissens. Das Forschungsprojekt versteht deshalb die Architektur solcher Einrichtungen nicht als blosse Hülle, sondern vielmehr als räumliche Gestaltung der Wissensbestände.

Sammlungsräume hatten zunächst praktische Aufgaben zu erfüllen. Die Exponate sollten gezeigt, gleichzeitig aber auch vor Witterung, Feuer und nicht zuletzt vor Diebstahl geschützt werden. Sammlungen mussten aber auch seit jeher geordnet werden. Diese Ordnung diente nicht allein dazu, Objekte effizient aufzubewahren und rasch auffinden zu können. Denn solchen Bedürfnissen traten immer auch theoretische Überlegungen zur Seite, aktuelle Auffassungen von Wissen auf die räumliche Anordnung einer Sammlung anzuwenden. Dadurch wurde die Architektur von Sammlungsräumen zu einem lesbaren Zeichen, das bewusst zur Schau gestellt wurde und ebenso auf literarische Vorbilder wie auf die Trägerschaft der Kollektion verwies. Kein Wunder also, wenn der begrenzte Platz oder die starre Möblierung von gebauten Sammlungsräumen zu einem ständigen Konflikt mit gedachten Idealordnungen führte.

Der Aufstieg der Naturwissenschaften in der frühen Neuzeit zog die Errichtung spezifischer Bauten nach sich. Zur Bibliothek als Wissensspeicher gesellten sich auf empirische Forschung angelegte Sammlungsräume wie botanische Gärten oder Naturalienkabinette, die der in Büchern fixierten Weltbeschreibung ihre realen Objekte entgegenhielten. Sie gingen eine enge räumliche Verbindung mit Bibliotheken ein, mussten doch diese Gegenstände mit dem papierenen Wissen verglichen und erzielte Erkenntnisse in Buchform gespeichert werden. Die verschiedenen Sammlungsräume ergänzten sich dabei nicht nur auf praktischer, sondern auch auf symbolischer Ebene.

Im Zentrum der Forschungsarbeit steht die detaillierte Untersuchung der wissenschaftlichen Sammlungsräume der Universität Leiden im Zeitraum von 1575 bis 1700. Ihre Bibliothek, der Botanische Garten, das Anatomisches Theater und ihre Kuriositätenkabinette werden im internationalen Kontext verankert.


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Gregory Grämiger