Forschungsprojekt
Prof. Dr. Werner Oechslin
Die Architekturzeichnung als Hilfsmittel von Planung und Erstellung von Bauten ist seit der Antike verbürgt. Ob dies mittels Einritzung von Linien auf bestehende Bauteile (Didyma) oder mittels des spätgotischen Pergamentrisses erfolgt, ist weniger erheblich als die Tatsache, dass die geometrische Figur samt der mathematischen Verlässlichkeit der Architekturzeichnung zu Gevatter stand. Mit der humanistischen Zielsetzung der Aufarbeitung der Quellen (Vitruv) ist auch der Wissenschaftsanspruch ("architectura est scientia"/Vitruv, 1,1,1) als neue Option gegeben. Die Architekturzeichnung ("graphidis scientia") ist dabei von Anfang an mit in die Betrachtung einbezogen, zumal sie mit dem vitruvianischen Wissenschaftsbegriff ("ratiocinatio" für Theorie als Entsprechung zum "more geometrico") schon begrifflich verknüpft ist. Die erwünschte Rekonstruktion der "verlorenen" Zeichnungen des Traktats Vitruvs lassen im Grunde genommen keine andere Wahl als diejenige der geometrischen Figuren zu. Dem entspricht die albertische Definition der "lineamenta" oder die spätere ausdrücklich begriffliche Unterscheidung von Zeichnung (für den Maler) und Architekturzeichnung ("grammike statt/und "grafike"). Die Diskussion von Architektur-zeichnung und Wissenschaft einer Architektur verläuft so in der Zeit zwischen L.B. Alberti und D. Barbaro in mancher Hinsicht konvergent. Dementsprechend sind auch interpretatorische Bemühungen zielgerichtet, wird der Vitruvtext wenn nötig arg strapaziert, um die "wissenschaftliche Kohärenz" zu demonstrieren.
Die auf Vorarbeiten seit 1980 basierende Forschung hat es sich zum Ziel gesetzt, dieses Modell einer "Architektur als Wissenschaft" zu rekonstruieren, seine Bedingung auszuloten und die dabei erreichten theoretischen Positionen zu vergleichen und zu würdigen. Dabei spielt eine entscheidende Rolle, dass entsprechende Vorstellungen in weit kontinuierlicherer Weise als etwa formale, phänotypische Merkmale der Architektur bis in die Moderne weitergewirkt haben. Le Corbusiers "architecture pure creation de l'esprit" steht ebenso in dieser Tradition wie seine Kennzeichnung der Geometrie als "le seul langage que nous sachions parler". Über die Analyse eines historisch engbegrenzten Problems soll somit Grundsätzliches zur Theoriefähigkeit der Architektur in ihrem engsten Bereich, dem Entwurf, ausgesagt werden
Publikation geplant für 2006.
Laufzeit: 1998 - 2006
Prof. Dr. Werner Oechslin
Die Architekturzeichnung als Hilfsmittel von Planung und Erstellung von Bauten ist seit der Antike verbürgt. Ob dies mittels Einritzung von Linien auf bestehende Bauteile (Didyma) oder mittels des spätgotischen Pergamentrisses erfolgt, ist weniger erheblich als die Tatsache, dass die geometrische Figur samt der mathematischen Verlässlichkeit der Architekturzeichnung zu Gevatter stand. Mit der humanistischen Zielsetzung der Aufarbeitung der Quellen (Vitruv) ist auch der Wissenschaftsanspruch ("architectura est scientia"/Vitruv, 1,1,1) als neue Option gegeben. Die Architekturzeichnung ("graphidis scientia") ist dabei von Anfang an mit in die Betrachtung einbezogen, zumal sie mit dem vitruvianischen Wissenschaftsbegriff ("ratiocinatio" für Theorie als Entsprechung zum "more geometrico") schon begrifflich verknüpft ist. Die erwünschte Rekonstruktion der "verlorenen" Zeichnungen des Traktats Vitruvs lassen im Grunde genommen keine andere Wahl als diejenige der geometrischen Figuren zu. Dem entspricht die albertische Definition der "lineamenta" oder die spätere ausdrücklich begriffliche Unterscheidung von Zeichnung (für den Maler) und Architekturzeichnung ("grammike statt/und "grafike"). Die Diskussion von Architektur-zeichnung und Wissenschaft einer Architektur verläuft so in der Zeit zwischen L.B. Alberti und D. Barbaro in mancher Hinsicht konvergent. Dementsprechend sind auch interpretatorische Bemühungen zielgerichtet, wird der Vitruvtext wenn nötig arg strapaziert, um die "wissenschaftliche Kohärenz" zu demonstrieren.
Die auf Vorarbeiten seit 1980 basierende Forschung hat es sich zum Ziel gesetzt, dieses Modell einer "Architektur als Wissenschaft" zu rekonstruieren, seine Bedingung auszuloten und die dabei erreichten theoretischen Positionen zu vergleichen und zu würdigen. Dabei spielt eine entscheidende Rolle, dass entsprechende Vorstellungen in weit kontinuierlicherer Weise als etwa formale, phänotypische Merkmale der Architektur bis in die Moderne weitergewirkt haben. Le Corbusiers "architecture pure creation de l'esprit" steht ebenso in dieser Tradition wie seine Kennzeichnung der Geometrie als "le seul langage que nous sachions parler". Über die Analyse eines historisch engbegrenzten Problems soll somit Grundsätzliches zur Theoriefähigkeit der Architektur in ihrem engsten Bereich, dem Entwurf, ausgesagt werden
Publikation geplant für 2006.
Laufzeit: 1998 - 2006


