SNF-Forschungsprojekt und Dissertation
Desax, Martina
Das erste Berner Bundesrathaus ist 1852-57 als Ausdruck des neuen Selbstbewusstseins ganz im Zeichen der ‚idée suisse' gebaut worden. Als zentraler Repräsentationsort des Nationalstaates verdankt es seine Prägung massgeblich dem Kontext des Freundschaftsvertrages sowie einer der Schweiz wie den USA gemeinsame Problematik des Bürgerkrieges. Dies lässt sich anhand der zunächst geplanten Ausstattungsikonographie sowie an der Gestalt des Gebäudes konkret nachvollziehen. Der Maler Frank Buchser (1828-1890) hat seine Reise in die USA 1866 als inoffizielle Mission im Auftrag des Bundesrats verstanden. Primäres Anliegen war, das Projekt eines grossformatigen Wandbildes für das damalige Bundesrathaus (heute Bundeshaus West) vorzubereiten, das dem Thema des amerikanischen Sezessionskrieges gewidmet sein sollte. Über diese Reise und die Vorarbeiten zu der Ausstattung des Ratssaals hat der Maler selbst in seinem Journal berichtet, das für die Wahrnehmung des Landes und die dortigen Arbeitsbedingungen eines Malers höchst instruktiv ist. Das Ausstattungsprojekt soll in seiner Entstehungsgeschichte und in seiner Bedeutung als eines der Hauptbeispiele für die Staatsrepräsentation der Schweiz erörtert werden. Dabei ist nach den politischen Motivationen der Themenwahl im historischen Zusammenhang des Freundschaftsvertrages ebenso zu fragen wie nach der Parallelisierung von amerikanischem Sezessions- und Schweizer Sonderbundkrieg. Zudem gilt es die Gründe für das Scheitern des Projekts näher zu untersuchen - die Berufung auf eine gemeinsame Geschichte wurde also im Verlauf der Planungen für das Bundeshaus punktuell ausser Kraft gesetzt. Trotzdem blieb die Orientierung am amerikanischen Modell des parlamentarischen Bundesstaates für den repräsentativen Anspruch der Schweizer Parlamentsarchitektur weiterhin in Kraft, wenn auch - da thematisch weniger verbindlich - in allgemeinerer und damit politisch entschärfter Form. Sie konnte in formalen und strukturellen Analogien zwischen Kapitol und Bundeshaus ihren signifikanten Ausdruck finden. Erinnert sei nur an die aussergewöhnliche Disposition der Versammlungssäle beider Kammern in den Seitenflügeln des Kapitols bzw. des erweitert geplanten Bundeshauses sowie an die Funktion des Kuppelraums als denkmalhafter, öffentlich zugänglicher Bereich in beiden Bauten. Diese Verwandtschaft gibt Anlass, die verwickelte Planungsgeschichte beider Parlamentskomplexe systematisch aufeinander zu beziehen und zu fragen, wie weit die prototypische Verpflichtung des Bundeshauses auf das Kapitol reichte bzw. wo sie ihr Ende fand. Gerade weil das Bundeshaus neben dem amerikanischen Vorbild auch europäische Traditionen des Parlamentsbaus integriert, erweisen sich die vielfältigen ikonographischen, architekturikonologischen und historischen Rückbezüge auf das amerikanische Modell für ein Gesamtverständnis der frühen künstlerischen Selbstdarstellung des Schweizer Nationalstaates als relevant.
Die Reise von Buchser bildet den Ausgangspunkt für eine mehrfache Kontextualisierung der amerikanisch-schweizerischen Kunstbeziehungen. Mit ihr kam eine Reisetätigkeit Schweizer Künstler und Architekten in Gang, die nach 1900 zum primären Mittel der transatlantischen Kunstbeziehungen wurde.
Laufzeit: 2004 - 2007
Desax, Martina
Das erste Berner Bundesrathaus ist 1852-57 als Ausdruck des neuen Selbstbewusstseins ganz im Zeichen der ‚idée suisse' gebaut worden. Als zentraler Repräsentationsort des Nationalstaates verdankt es seine Prägung massgeblich dem Kontext des Freundschaftsvertrages sowie einer der Schweiz wie den USA gemeinsame Problematik des Bürgerkrieges. Dies lässt sich anhand der zunächst geplanten Ausstattungsikonographie sowie an der Gestalt des Gebäudes konkret nachvollziehen. Der Maler Frank Buchser (1828-1890) hat seine Reise in die USA 1866 als inoffizielle Mission im Auftrag des Bundesrats verstanden. Primäres Anliegen war, das Projekt eines grossformatigen Wandbildes für das damalige Bundesrathaus (heute Bundeshaus West) vorzubereiten, das dem Thema des amerikanischen Sezessionskrieges gewidmet sein sollte. Über diese Reise und die Vorarbeiten zu der Ausstattung des Ratssaals hat der Maler selbst in seinem Journal berichtet, das für die Wahrnehmung des Landes und die dortigen Arbeitsbedingungen eines Malers höchst instruktiv ist. Das Ausstattungsprojekt soll in seiner Entstehungsgeschichte und in seiner Bedeutung als eines der Hauptbeispiele für die Staatsrepräsentation der Schweiz erörtert werden. Dabei ist nach den politischen Motivationen der Themenwahl im historischen Zusammenhang des Freundschaftsvertrages ebenso zu fragen wie nach der Parallelisierung von amerikanischem Sezessions- und Schweizer Sonderbundkrieg. Zudem gilt es die Gründe für das Scheitern des Projekts näher zu untersuchen - die Berufung auf eine gemeinsame Geschichte wurde also im Verlauf der Planungen für das Bundeshaus punktuell ausser Kraft gesetzt. Trotzdem blieb die Orientierung am amerikanischen Modell des parlamentarischen Bundesstaates für den repräsentativen Anspruch der Schweizer Parlamentsarchitektur weiterhin in Kraft, wenn auch - da thematisch weniger verbindlich - in allgemeinerer und damit politisch entschärfter Form. Sie konnte in formalen und strukturellen Analogien zwischen Kapitol und Bundeshaus ihren signifikanten Ausdruck finden. Erinnert sei nur an die aussergewöhnliche Disposition der Versammlungssäle beider Kammern in den Seitenflügeln des Kapitols bzw. des erweitert geplanten Bundeshauses sowie an die Funktion des Kuppelraums als denkmalhafter, öffentlich zugänglicher Bereich in beiden Bauten. Diese Verwandtschaft gibt Anlass, die verwickelte Planungsgeschichte beider Parlamentskomplexe systematisch aufeinander zu beziehen und zu fragen, wie weit die prototypische Verpflichtung des Bundeshauses auf das Kapitol reichte bzw. wo sie ihr Ende fand. Gerade weil das Bundeshaus neben dem amerikanischen Vorbild auch europäische Traditionen des Parlamentsbaus integriert, erweisen sich die vielfältigen ikonographischen, architekturikonologischen und historischen Rückbezüge auf das amerikanische Modell für ein Gesamtverständnis der frühen künstlerischen Selbstdarstellung des Schweizer Nationalstaates als relevant.
Die Reise von Buchser bildet den Ausgangspunkt für eine mehrfache Kontextualisierung der amerikanisch-schweizerischen Kunstbeziehungen. Mit ihr kam eine Reisetätigkeit Schweizer Künstler und Architekten in Gang, die nach 1900 zum primären Mittel der transatlantischen Kunstbeziehungen wurde.
Laufzeit: 2004 - 2007


