Forschungsprojekt
Dr. Sonja Hildebrand, Bruno Maurer, Prof. Dr. Werner Oechslin, Monika Isler, David Wyss
 



Das Werk von Max Ernst Haefeli (1901–1976), Werner M. Moser (1896–1970) und Rudolf Steiger (1900–1982) verkörpert in einzigartiger Weise die Entwicklung der modernen Schweizer Architektur, zu deren Etablierung in den 20er und frühen 30er Jahren die drei Architekten massgeblich beitrugen. Basis für die Zusammenarbeit war die gemeinsame Studienzeit bei Karl Moser. Nach Auslandsaufenthalten und der Gründung eigener Büros arbeiteten Haefeli, Moser und Steiger immer wieder und in unterschiedlichen Konstellationen zusammen. Das bedeutendste gemeinsame Werk aus dieser Zeit ist die Siedlung Neubühl in Zürich (1928–1932; mit Paul Artaria, Carl Hubacher, Emil Roth und Hans Schmidt). Nach dem Sieg im Wettbewerb für das Kongresshaus Zürich schlossen sich Haefeli, Moser und Steiger 1937 offiziell zusammen. Ihre Firma existierte bis 1975.

Wie kein zweites Büro gaben HMS der Entwicklung der modernen Architektur immer wieder neue Impulse. Das Kongresshaus Zürich (1936–1939) wurde zum Leitgebäude für die Schweizer Architektur der folgenden beiden Jahrzehnte. Die im Innern demonstrierte Freude an Dekoration und die sorgfältig inszenierten Raumstimmungen relativierten das Bild einer puristischen, auf Reduktion und Einheitlichkeit ausgerichteten dogmatischen Moderne. Das unter der Prämisse der Materialrationierung begonnene Zürcher Kantonsspital (1938–1953) ist ein Musterbeispiel moderner Materialvielfalt. Mit dem als Teil eines neuen City-Quartiers geplanten Geschäftshaus zur Palme in Zürich (1955–1964) gelang HMS eine typologische Neudefinition der Bauaufgabe Hochhaus, für die sie weit über die Landesgrenzen hinaus Anerkennung erhielten.

Neben der praktischen Arbeit standen die theoretische Reflexion und Vermittlung von Inhalten und Zielen der modernen Architektur. Berühmt sind die Ausstellungen im Zürcher Kunstgewerbemuseum „Der neue Schulbau“ 1932 und „Das Bad von heute und gestern“ 1935. Haefeli, Moser und Steiger behandelten und propagierten Architektur als Teil einer umfassenden Gestaltung des Lebensraums. Alle drei Architekten waren Gründungsmitglieder der CIAM, Rudolf Steiger und Werner Moser gehörten zu den Pionieren der Regionalplanung in der Schweiz. Der Einsatz von Haefeli, Moser und Steiger für eine moderne Wohnkultur manifestierte sich insbesondere in der von Werner M. Moser, Sigfried Giedion und Rudolf Graber 1931 gegründeten Wohnbedarf AG, für die auch Haefeli und Steiger Möbel und Gebrauchsgegenstände entwarfen.

Die Ende der 1970er Jahre am Institut gta initiierte HMS-Forschung (Marcel Meili, Miroslav Sik, J. Christoph Bürkle u. a.) wurde nach verschiedenen Unterbrechungen 2003 wieder aufgenommen (Monika Isler, David Wyss; Projektleitung 2005–2007: Sonja Hildebrand). Das Projekt resultierte in einer Monografie, die neben Aufsätzen erstmals einen vollständigen Katalog des architektonischen Werks umfasst. In seiner Gesamtheit bietet das Buch eine kritische Würdigung des komplexen Phänomens HMS. Ein zentrales Forschungsinteresse gilt dem Beitrag von Haefeli Moser Steiger zur Entwicklung der modernen Architektur in der Schweiz. Hier stellt sich die Frage nach dem Verhältnis von gemeinsamer Zielrichtung und individuellen Lösungen, von Einheit und Vielfalt im nationalen wie im internationalen Rahmen. Obwohl Haefeli Moser Steiger von Anfang an in internationale Kontexte eingebunden waren, verwirklichten sie ihre Bauten vorwiegend in Zürich und Umgebung. Zu ihrem Werk zählen zahlreiche Studien, Projekte und Bauten, die in aktuellen Diskussionen als Referenz dienen können oder bereits im Zentrum kontroverser Debatten stehen (Kongresshaus, Seeufergestaltung, Hochhausdiskussion, Definition städtischer Strukturen). Dieser Tatsache wird im Buch u. a. mit Statements aus der aktuellen Architektur Rechnung getragen. Die Resultate des Forschungsprojekts sind zudem in eine grosse Retrospektive eingeflossen, die das Werk von Haefeli Moser Steiger in seiner ganzen Breite gewürdigt hat.


Laufzeit: 2003 - 2007

Kontakt

Dr. habil. Sonja Hildebrand