SNF-Forschungsprojekt
Dr. Sylvia Claus, Lukas Zurfluh, Studierende des MAS
Hans Bernoulli war einer der national wie international einflussreichsten Architekten, Stadtplaner, Theoretiker und Hochschullehrer der Schweiz. Mit seinen Bauten und Projekten, vor allem aber mit der Forderung nach einer Kommunalisierung des Bodens prägt er wie kein anderer das (genossenschaftliche) Siedlungs- und Wohnungswesen der Schweiz bis heute. Ausserdem etablierte er den Städtebau als Lehrgebiet an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich. Obgleich Bernoullis Schaffen für die Architektur und Stadtplanung der Moderne von zentraler Bedeutung ist, fehlt bislang eine über Einzelaspekte hinausgehende, umfassende historisch-kritische Würdigung seines Gesamtwerkes. Dieses augenfällige Forschungsdesiderat soll durch das beantragte Forschungsprojekt behoben werden.
Hans Bernoulli hat Architektur als Kultur im kantischen Sinne verstanden. Sein Wirken war ethisch motiviert. Architektur galt ihm als Teil eines übergeordneten, von ihm im Duktus der Zeit als «organisch» bezeichneten Ganzen. Ihrer Komplexität gerecht zu werden, bedeutete für Bernoulli städtebauliche Kontextualisierung, theoretische Reflexion und politische Stellungnahme gleichermassen. Angesichts gegenwärtiger Tendenzen, den Städtebau entweder mittels in erster Linie ästhetisch motivierter Stadtbaukunst wiederzubeleben oder als vornehmlich ökonomisch, juristisch und technisch argumentierende Planungswissenschaft zu begreifen, ist es angezeigt, die Vielschichtigkeit des Phänomens Städtebau, nicht zuletzt seine gesellschaftspolitischen Implikationen für die Diskussion zurückzugewinnen, ohne in die blosse Ideologiekritik der 1970er Jahre zu verfallen.
Am Beispiel Bernoullis will das Forschungsprojekt der zentralen Frage nachgehen, wie sich Architektur in die Gesellschaft integriert und umgekehrt, welche Relevanz politische und gesellschaftliche Faktoren für die Architektur über ein blosses Postulat hinaus tatsächlich haben. Innerhalb dieser übergreifenden Fragestellung soll das Werk Bernoullis einerseits in der internationalen Städtebaugeschichte positioniert, andererseits die Bedeutung des spezifisch schweizerischen Kontextes für das Werk Bernoullis und dessen Rückwirkung auf die allgemeine Städtebaugeschichte des 20. Jahrhunderts herausgearbeitet werden.
Die Forschungsarbeit wird in die Publikation einer Monographie münden, die über eine bloss historische Aufarbeitung von Leben und Werk Bernoullis hinaus nach Architektur und Städtebau als politischer Kultur fragt und damit der gegenwärtigen Praxis von Städtebau und Architektur ein historisch-theoretisches Fundament liefert.
Lukas Zurfluh
Dr. Sylvia Claus, Lukas Zurfluh, Studierende des MAS
Hans Bernoulli war einer der national wie international einflussreichsten Architekten, Stadtplaner, Theoretiker und Hochschullehrer der Schweiz. Mit seinen Bauten und Projekten, vor allem aber mit der Forderung nach einer Kommunalisierung des Bodens prägt er wie kein anderer das (genossenschaftliche) Siedlungs- und Wohnungswesen der Schweiz bis heute. Ausserdem etablierte er den Städtebau als Lehrgebiet an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich. Obgleich Bernoullis Schaffen für die Architektur und Stadtplanung der Moderne von zentraler Bedeutung ist, fehlt bislang eine über Einzelaspekte hinausgehende, umfassende historisch-kritische Würdigung seines Gesamtwerkes. Dieses augenfällige Forschungsdesiderat soll durch das beantragte Forschungsprojekt behoben werden.
Hans Bernoulli hat Architektur als Kultur im kantischen Sinne verstanden. Sein Wirken war ethisch motiviert. Architektur galt ihm als Teil eines übergeordneten, von ihm im Duktus der Zeit als «organisch» bezeichneten Ganzen. Ihrer Komplexität gerecht zu werden, bedeutete für Bernoulli städtebauliche Kontextualisierung, theoretische Reflexion und politische Stellungnahme gleichermassen. Angesichts gegenwärtiger Tendenzen, den Städtebau entweder mittels in erster Linie ästhetisch motivierter Stadtbaukunst wiederzubeleben oder als vornehmlich ökonomisch, juristisch und technisch argumentierende Planungswissenschaft zu begreifen, ist es angezeigt, die Vielschichtigkeit des Phänomens Städtebau, nicht zuletzt seine gesellschaftspolitischen Implikationen für die Diskussion zurückzugewinnen, ohne in die blosse Ideologiekritik der 1970er Jahre zu verfallen.
Am Beispiel Bernoullis will das Forschungsprojekt der zentralen Frage nachgehen, wie sich Architektur in die Gesellschaft integriert und umgekehrt, welche Relevanz politische und gesellschaftliche Faktoren für die Architektur über ein blosses Postulat hinaus tatsächlich haben. Innerhalb dieser übergreifenden Fragestellung soll das Werk Bernoullis einerseits in der internationalen Städtebaugeschichte positioniert, andererseits die Bedeutung des spezifisch schweizerischen Kontextes für das Werk Bernoullis und dessen Rückwirkung auf die allgemeine Städtebaugeschichte des 20. Jahrhunderts herausgearbeitet werden.
Die Forschungsarbeit wird in die Publikation einer Monographie münden, die über eine bloss historische Aufarbeitung von Leben und Werk Bernoullis hinaus nach Architektur und Städtebau als politischer Kultur fragt und damit der gegenwärtigen Praxis von Städtebau und Architektur ein historisch-theoretisches Fundament liefert.
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