Forschungsprojekt
Prof. Dr. W. Oechslin, Dr. habil. S. Hildebrand, N. Caminada, Dr. S. Claus, Th. Gnägi, R. Hauri u.a.
 



Karl Moser wurde schon zu Lebzeiten zu den „Vätern der Moderne“ gezählt. In der Tat hat er als Architekt in Karlsruhe (mit Robert Curjel, 1888–1915) und Zürich (1915–1936) sowie als Lehrer an der ETH (1915–1928) fast fünf Jahrzehnte lang moderne Architekturgeschichte mitgeschrieben. Gleichwohl ist seine Inthronisierung als Wegbereiter nicht unproblematisch, impliziert sie doch eine Relativierung seines Werks mit Blick auf ein Idealbild: Seine Bauten werden am Modell einer vollgültigen, ‚klassischen’ Moderne gemessen. Diese Sicht auf die eigene und eine allgemeine Entwicklungsgeschichte machte sich Moser in den zwanziger Jahren auch selbst zu eigen. Doch zeigt gerade sein Werk, dass sich ‚Moderne’ keineswegs linear entfaltete und einem einzigen, eindeutigen und allgemein verbindlichen Leitbild folgte. Das Forschungsprojekt versteht sich in diesem Sinn als Beitrag zur Geschichte des Moderne-Begriffs. Dieser soll nicht um weitere Facetten einer Vormoderne, einer „anderen“ oder „moderaten“ Moderne erweitert werden. Mosers Interpretationen moderner Architektur werden vielmehr als Moderne-Beiträge eigenen Rechts verstanden, die es in ihrem historischen Beziehungsgeflecht zu situieren gilt.

In der für Herbst 2010 geplanten zweibändigen Monografie wird Mosers umfangreiches Werk erstmals vollständig in einem Werkverzeichnis dokumentiert. Rund 110 Bauten und Projekte werden darüber hinaus in einem Auswahlkatalog aus ihrer Entstehungsgeschichte heraus erklärt und vor dem Hintergrund des Gesamtwerks charakterisiert. Die Werkdokumentation wird am Institut gta von einem durch Gastautoren verstärkten Wissenschaftlerteam erarbeitet, das dabei auf den in den 1980er und 90er Jahren erbrachten Vorleistungen von Ernst Strebel aufbauen kann. Der am gta Archiv aufbewahrte Nachlass von Karl Moser bildet die wichtigste Quellenbasis.

Die Werkdokumentation soll zusammen mit dem von verschiedenen Autorinnen und Autoren verfassten Aufsatzteil eine Vorstellung vom ‚ganzen’ Moser vermitteln. Gleichzeitig wird die Vielfalt der individuellen Perspektiven speziell im Aufsatzteil als Chance begriffen, den Blick auch auf Brüche, Mehrdeutigkeiten und Widersprüche zu lenken (Themen u. a.: Moser und die Möglichkeiten der Moderne, „Väter der Moderne“, Moser an seinen Hauptwirkungsorten Karlsruhe und Zürich, Felder der architektonischen Praxis, Atelierbetrieb und Arbeitsorganisation, Lehre, Moser und die bildenden Künste, Bautechnik). Neben der Dokumentation und wissenschaftlichen Auseinandersetzung wird in Essays nach der aktuellen Bedeutung Mosers im Gedächtnis der Architekten gefragt.

Der 150. Geburtstag von Karl Moser, der mit dem 100-jährigen Jubiläum des Kunsthaus Zürich zusammenfällt, gibt zudem Anlass zu einer Ausstellung über Karl Moser, die das Institut gta zusammen mit dem Kunsthaus veranstaltet (17.12.2010–27.2.2011 im Kunsthaus Zürich, Kuratorin: Sonja Hildebrand). Die Werkschau «Karl Moser - Architektur und Kunst» wird die vielschichtigen Beziehungen zwischen den Sphären von Architektur und Kunst thematisieren, die sich mit Mosers Werk verbinden: Mosers enge Zusammenarbeit mit bildenden Künstlern, die künstlerische Ausstattung seiner Bauten, der eigene Kunstanspruch, die künstlerische Visualisierung von architektonischen Ideen und nicht zuletzt das Bauen für die Kunst.
Im Anschluss an die Zürcher Station wird die Ausstellung in modifizierter Form in der Städtischen Galerie in Karlsruhe zu sehen sein (Veranstalter: Institut gta, Städtische Galerie Karlsruhe, Südwestdeutsches Archiv für Architektur und Ingenieurbau der Universität Karlsruhe).

Laufzeit: Wiederaufnahme 2006

Kontakt

Dr. habil. Sonja Hildebrand