Dissertation
Eberhard, Katrin
 



«La maison de M. Van der Leeuw est un château de fées [...]. Il suffit de vouloir et de tendre la main pour qu'une série étonnante d'actes soit accomplie, sans bruit, par des serviteurs mécaniques invisibles.» Paulette Bernège, «Une machine à habiter», La construction moderne, vol. 48, no. 27 (1933), p. 412.

‹Unsichtbare mechanische Bedienstete› übernehmen schon ab Ende des 19. Jahrhunderts viele der im Privathaushalt anfallenden Arbeiten. Mit Aufkommen der modernen Haustechnik verändert sich nicht nur die Architektur von Küche und Bad, sondern auch die traditionellen Wohnräume werden mit neuen arbeitssparenden Technologien ausgestattet: Zentralheizung, künstliche Beleuchtung (oft noch mit Gas gespeist) und sanitäre Ausrüstung halten in den Villen der upper class Einzug.
In den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts werden zudem – unter anderem dank der aufkommenden Elektrizität – architektonische Lösungen möglich, die vorher aus verschiedenen Gründen nur schwer vorstellbar gewesen wären: grosse Verglasungen und fliessende Grundrisse beispielsweise, die ohne Klimatisierung nicht denkbar wären, oder elektrisch versenkbare Scheiben, die ein Haus auf den Garten öffnen. Personen- und Speiselifte ermöglichen die formelle Nutzung auch der oberen Geschosse sowie der Dachterrasse; zentral regulierte Lautsprecher verwandeln jeden Raum in ein Musikzimmer; intern und extern benutzbare Telefone schaffen Distanz zwischen den Dienstbotenbereichen und denen der Hausherrschaft; Apparate wie die Ozonmaschine, die Zigarrenrauch neutralisiert, bieten die Gelegenheit, eine räumlich nicht abgetrennte Rauchecke einzurichten. Parallel zum technologischen Fortschritt, zu formalen Veränderungen der Architektur (vom Historismus zum ‹Neuen Bauen›) und zu gesellschaftlichem Wandel (Rückgang von Dienstboten, Position der Hausfrau), wird das ‹Equipment› eines Hauses nicht mehr nur im Verborgenen gehalten und hinter Täfer versteckt, sondern avanciert zum Hauptargument, Gesprächsthema und zum Mittel sozialer Distinktion: Haustechnik beginnt, Entwurf, Gestaltung und Wahrnehmung von Gebäuden zu beeinflussen. Nachvollziehbar ist dieser Wandel beispielshaft anhand der medialen Aufarbeitung und Verbreitung von Neubauten in den führenden Architekturzeitschriften. Architekten, Bauherren, Architekturkritiker, Produzenten sowie Vertreter der Energiewirtschaft sind die wichtigsten der Akteure, die an dieser Entwicklung beteiligt sind.
Drei Hauptmotive – «Komfort», «Gesundheit» und «Kontrolle» – gliedern in der Arbeit die Analysen charakteristischer Objekte: Die im Zentrum stehenden verwirklichten Bauten (Villa Cavrois von R. Mallet-Stevens, Lovell Health House von R. Neutra und Huis Van der Leeuw von J. Brinkman und L. van der Vlugt) ergänzen weitere, zuweilen unrealisierte Projekte.

Laufzeit: 2008 abgeschlossen

Weiterführende Informationen

Technikgeschichte der ETH Zürich