SNF-Forschungsprojekt
Tönnesmann, Prof. Dr. Andreas, Jonas Kallenbach, Sascha Köhl und Niklas Naehrig
 

Pro*Doc Kunst als Kulturtransfer seit der Renaissance.

Modul B:
Der Konsens der Architektur. Die Genese des öffentlichen Profanbaus 1400-1600



Öffentliche Profanarchitektur als gesamteuropäisches Phänomen ist eine spezifische Errungenschaft, ja Erfindung der Renaissancekultur. Hatte auf dem Gebiet des Kirchenbaus bereits die Gotik spezifische Form- und Konstruktionsmodelle als europäischen Standard etablieren können, so führt auf den verschiedenen Feldern profaner Bautätigkeit erst die Renaissance – ausgehend von italienischen Anfängen, aber bald weit darüber hinausgreifend – zu einer entsprechenden Konsensbildung. Die wichtigsten Segmente der Bautätigkeit, in denen sich zwischen 1400 und 1600 eine Neuprägung unter den Prämissen der Renaissance vollzieht, sind der fürstliche Wohn- und Schlossbau sowie die sowie die öffentliche Repräsentations- und Verwaltungsarchitektur, der im Zeitalter beginnender Staatlichkeit erhebliche Bedeutung zukam.
Für den architektonischen Kulturtransfer, wie er in diesem Forschungsmodul untersucht wird, ist die Frage nach Interessen und Intentionen der Bauherren besonders relevant. Daneben gilt es, architekturspezifische Kommunikationsprozesse und Argumentationsformen zu berücksichtigen, wie sie sich etwa im Bereich von Theorie und Fachliteratur neu etablieren. Schliesslich steht auch das Berufsprofil des Architekten zur Diskussion, das unter gestiegenen Ansprüchen an Bildung und intellektuelle Kompetenz neue Konturen annimmt. Erst die Verschränkung dieser Aspekte kann erklären, warum das kulturelle Modell "Renaissance“ in ganz Europa weit mehr bewirken konnte als die blosse stilistische Aktualisierung eines ansonsten stabilen Baurepertoires. Allenthalben geht es darum, Bauten durch Überhöhung ihrer Zweckbestimmung auf neue Weise sprachfähig zu machen, ihnen einen kommunikativen Status ersten Ranges in der Repräsentation der Auftraggeber zu verleihen.

Kontakt

Prof. Dr. Andreas Tönnesmann

Weiterführende Informationen

Pro*Doc Kunst als Kulturtransfer seit der Renaissance