Das Institut für Geschichte und Theorie der Architektur (gta) des Departementes Architektur der ETH Zürich bekennt sich auch im vierten Jahrzehnt seiner Existenz zu seiner doppelten Zielsetzung: die geschichtliche Dimension der Architektur in bester Kompetenz auszuweisen und dies in unserer aktuellen Welt immer neu zur Diskussion zu stellen. Geschichte und Theorie meint insofern - etwas stark vereinfacht - die Sache selbst und die grundsätzliche Erörterung derselben. Beides gehorcht wissenschaftlichen Ansprüchen: der Feststellung und Absicherung von Tatsachen (oder entsprechenden Teilaspekten davon), wie der kritischen Überprüfung der angewandten Methode und deren Tauglichkeit als Ansatz für mehr, Theorie.
Wo immer am gta geforscht und gelehrt wird, stets ist diese doppelte Orientierung gegeben und bereichert die Arbeit in der ständigen Auseinandersetzung, die stets über den (üblichen) Horizont "innerfachlicher" Fragestellungen hinausreicht. In unserer Orientierung auf die Architektur geben wir ein Musterbeispiel "transdisziplinärer" Arbeit: aber nicht nur in jenem (interdisziplinären) Sinn von Austausch und Vernetzung, sondern sehr viel präziser im Vermitteln einer -durch die gegebene Herausforderung - verstärkten und ständig überprüften Kompetenz gleichsam an den "analogen" produktiven Zweig des Architektur-Machens. Das gta geniesst längst internationale Anerkennung gerade wegen dieser besonderen Positionierung vorerst institutioneller (ein geisteswissenschaftliches Institut in einem Architektur-Departement), dann aber - in der Konsequenz grundsätzlich-wissenschaftlicher Art.
Insofern ist nicht nur die Vielfalt unserer Forschungs- und Lehrtätigkeit Ausweis unserer Qualität, sondern eben noch mehr der alle unterschiedlichen Orientierungen durchziehende rote Faden, der aus dem Labyrinth (anstelle des elfenbeinernen Turmes) in die aktuelle Welt, in die Wirklichkeit hinausführt. Deshalb fühlen wir uns auch als Anwalt jener - eher in Krise befindlichen - allgemeinen Kompetenzen wie insbesondere Denkbefähigung und Sprachkompetenz, die als Grundlage der oben beschriebenen Vermittlungsaufgabe unabdingbar sind.
Es mangelt uns also nicht an grossen Aufgaben, die wir wahrnehmen, und deren Sinn und Wichtigkeit wir vertreten. Auch wir - wer denn mehr als wir - erfinden die Welt täglich neu, weil wir im Bemühen mit der Geschichte und Theorie durch und durch vertraut zu sein, jede Regung und Veränderung registrieren ... und das Ganze neu denken und überprüfen.
Werner Oechslin, Alt-Vorsteher



