Seminar
Veranstalter: Titularprofessur Moravánszky
Dozierende : Dr. Karl Kegler, Sebastian Stich
Zeit : Freitags, 13:00 – 15.00
Ort : HIL H 35.1
Gestörte Ordnung -- Ideal, Norm und Kontamination in der Architektur
Ordnung ist ein ambivalenter Begriff. Er kann einerseits mit Klarheit und Rationalität verbunden werden, andererseits mit Zwang und Schematismus. Aus der Perspektive einer stringent umzusetzenden Ordnung erscheint das Verlassen einmal gesetzter Strukturen als Störung oder als Kontamination, aber Störungen können auch Freiräume für alternative Entwicklungrichtungen eröffnen. Eine vollkommen realisierte Ordnung ist in der Wirklichkeit allerdings die Ausnahme. Gesellschaftlicher Wandel, neue Grössenordnungen, spezifische Bauplätze und Programme sowie Veränderungen im architektonischen Formenkanon und Wertebild bedingen die Adaption gewollter Planvorstellungen an nicht vorhergesehene Rahmenbedingungen.
Die Vorstellung einer idealen Ordnung ist eng mit dem Begriff der Norm verknüpft. Normen entstehen nicht allein aus technischer Notwendigkeit, sondern als Selbstverständigung von Expertengemeinschaften über gemeinsame Standards. Schwierig werden diese Konstruktionen von Normalität und Normativität, wenn sie nicht allein technische Artefakte, sondern das Zusammenleben von Menschen betreffen, wie dies in Architektur und Städtebau der Fall ist. Die Dialektik von Ordnung und Störung wird vor diesem Hintergrund zu einem auch politisch instrumentalisierbaren Begriff.
Dies illustriert ein Beispiel: die «funktionalistische» Architektur der 1920er Jahre propagiert den Bruch mit historisch geprägten Raumfiguren. Massenproduktion und Normierung waren starke Anregungen für Architektur und Städtebau, die das Prinzip der seriellen Ordnung im Interesse übergeordneter Effizienz für sich entdecken. Die Bildung urbaner Binnenräume wird der Forderung von nach «Licht, Luft und Sonne» orientierten Wohnungen untergeordnet; geschlossene Stadträume werden so unmöglich. Bei näherer Betrachtung zeigt sich allerdings, dass auch in Nachfolge des «Neuen Bauens» kontinuierlich an der Reformulierung geschlossener Raumfiguren gearbeitet wurde.
Veranstalter: Titularprofessur Moravánszky
Dozierende : Dr. Karl Kegler, Sebastian Stich
Zeit : Freitags, 13:00 – 15.00
Ort : HIL H 35.1
Gestörte Ordnung -- Ideal, Norm und Kontamination in der Architektur
Ordnung ist ein ambivalenter Begriff. Er kann einerseits mit Klarheit und Rationalität verbunden werden, andererseits mit Zwang und Schematismus. Aus der Perspektive einer stringent umzusetzenden Ordnung erscheint das Verlassen einmal gesetzter Strukturen als Störung oder als Kontamination, aber Störungen können auch Freiräume für alternative Entwicklungrichtungen eröffnen. Eine vollkommen realisierte Ordnung ist in der Wirklichkeit allerdings die Ausnahme. Gesellschaftlicher Wandel, neue Grössenordnungen, spezifische Bauplätze und Programme sowie Veränderungen im architektonischen Formenkanon und Wertebild bedingen die Adaption gewollter Planvorstellungen an nicht vorhergesehene Rahmenbedingungen.
Die Vorstellung einer idealen Ordnung ist eng mit dem Begriff der Norm verknüpft. Normen entstehen nicht allein aus technischer Notwendigkeit, sondern als Selbstverständigung von Expertengemeinschaften über gemeinsame Standards. Schwierig werden diese Konstruktionen von Normalität und Normativität, wenn sie nicht allein technische Artefakte, sondern das Zusammenleben von Menschen betreffen, wie dies in Architektur und Städtebau der Fall ist. Die Dialektik von Ordnung und Störung wird vor diesem Hintergrund zu einem auch politisch instrumentalisierbaren Begriff.
Dies illustriert ein Beispiel: die «funktionalistische» Architektur der 1920er Jahre propagiert den Bruch mit historisch geprägten Raumfiguren. Massenproduktion und Normierung waren starke Anregungen für Architektur und Städtebau, die das Prinzip der seriellen Ordnung im Interesse übergeordneter Effizienz für sich entdecken. Die Bildung urbaner Binnenräume wird der Forderung von nach «Licht, Luft und Sonne» orientierten Wohnungen untergeordnet; geschlossene Stadträume werden so unmöglich. Bei näherer Betrachtung zeigt sich allerdings, dass auch in Nachfolge des «Neuen Bauens» kontinuierlich an der Reformulierung geschlossener Raumfiguren gearbeitet wurde.




