Seminar
Veranstalter: Titularprofessur Moravánszky
Dozierende : Judith Hopfengärtner, Sebastian Stich
Zeit : Freitags, 12:45– 14:15
Ort : HIL C.2
 

Im Seminar werden wir neuere Entwicklungen in Architektur mit Hilfe von Gottfried Sempers Stoffwechseltheorie betrachten. Dieser Denkansatz erlaubt es, aktuelle Transformationen von Formen und Materialien im Hinblick auf Kontinuität und Erneuerung zu diskutieren.

Werkstoffe, die sich mit charakteristischen Details eines anderen Materials maskieren, und Formen, die als Platzhalter für noch nicht gefundene Lösungen auftreten, sind keine Seltenheit in der Geschichte der Architektur und der Gebrauchsgegenstände. Die Transformationen und Metamorphosen des Materials, ihre Fähigkeit zu alchemistischen Umwandlungen fasziniert uns heute mehr als die These von der Materialgerechtheit. Zwischen den Extremen von Kontinuität und Erneuerung erscheinen uns jene Theorien als besonders relevant, welche nicht von den festen Identitäten der Werkstoffe ausgehen, sondern ihre kulturellen Rollen und die verschiedene Inszenierungen dieser Rollen untersuchen.

Mit dem von Gottfried Semper der Chemie entlehnten Begriff Stoffwechsel können schwer fassbare Phänomene in Wissenschaft, Kultur, Kunst und Architektur sichtbar gemacht werden. Das Denkmodell «Stoffwechsel», das eine grosse Offenheit bezüglich neuer Materialien und Produktionsweisen aufweist, beabsichtigt und ermöglicht eine ständige Erneuerung der Form.
Das Seminar untersucht Themen wie Nachahmung, Inszenierung, Theatralität, die Autonomie der Architektur und die Evolution der Gebrauchsgegenstände. Sempers auf Kontinuität in der Veränderung gerichtetes Denken erlaubt, sein Gewebe auch im digitalen Zeitalter weiterzustricken