Seminar
Veranstalter: Professur Oechslin
Dozierende : Prof. Dr. Werner Oechslin, mit Michael Gnehm, Hardy Happle, Carmelia Maissen
 



Gottfried Semper (1803-1879) wird seit einigen Jahren vermehrt
Interesse innerhalb des Architekturdiskurses entgegengebracht.
Lange wurde eine Diskrepanz zwischen Sempers Theorie und seinen
Bauten moniert. Heute haben solche Wertungen, die in der
Ablehnung des 19. Jahrhunderts durch die Moderne begründet
liegen, ihre ideologische Grundlage verloren. Eine neue
Auseinandersetzung mit Sempers Theorie zeigt sich dabei in
verschiedenen aktuellen Positionen der architektonischen Praxis.
Diese Aktualität Sempers erlaubt zugleich einen
unvoreingenommeren Blick auf dessen eigene Bauten.

Das Seminar geht anhand der Fassade den Bezügen zwischen Sempers
Theorie und seiner Praxis nach und versucht zu diesem Komplex
aktuelle Positionen zu thematisieren. Die Fassade lässt sich
dabei als Programm verstehen: Was sagt sie aus über das
Verhältnis von Konstruktion und Verkleidung? Wie verhält sich die
Fassade zur Nutzung der Gebäude? Was sagt die Fassade über den
architektonischen Raum aus? Kann die Fassade als Programm einer
Architekturtheorie verstanden werden?

Diese Fragen stehen im Zentrum von Betrachtungen zu ausgewählten
Bauten Sempers. Damals modernste Gebäude wie der Kristallpalast
werden mit einbezogen. Umwertungen und Ablösungen von Semperschen
Positionen sollen anhand von Beispielen aus der Zeit um 1900
verfolgt werden. Vor diesem Hintergrund gilt es schliesslich,
aktuelle Bezüge zu Semper, wie jene bei Herzog & de Meuron oder
Bernard Cache (Objectile), zu beurteilen.