Forschungsprojekt und Dissertation
Wozu das Theater?. Der Wandel des Zürcher Stadttheaters vom „Herreninstitut“ zum öffentlichen Musentempel (1890-1930)

Forschungsprojekt und Dissertation
Christoph Kohler
Prof. Dr. Jakob Tanner, Universität Zürich; Prof. Dr. Philip Ursprung, ETH Zürich
 

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Die „grosse Erzählung“ der Aufklärung (Lyotard), in der auch die subventionierte Hochkultur ein Kapitel einnimmt, scheint zu Ende erzählt. 1994 schreibt Thomas Schmidt in der Frankfurter Rundschau: „Die Ideengrundlage ist brüchig geworden, auf welcher der Turmbau der subventionierten Kultur errichtet worden war.“
Die Entstehungsgeschichte dieses „Turmbaus der subventionierten Kultur“ ist Gegenstand meiner Geschichte. Zwischen 1890 und 1930 verwandelte sich das Zürcher Stadttheater von einem privaten Aktientheater zur subventionierten, öffentlichen Bühne.
Mich interessieren die Bedingungen des Subventionssystems. Eine fundierte Quellenanalyse wird zeigen, wie das „private“ Stadttheater Ende des 19. Jahrhunderts immer grössere Defizite machte. Eine staatlich Förderung schien der einzige Ausweg aus dem "ökonomischen Dilemma" (Baumol und Bowen).
Nun mussten die Freunde des Theaters dem Zürcher Stimmvolk glaubhaft machen, dass das Theater eine Institution von öffentlichem Interesse sei und Steuergelder zur Unterstützung legitim seien. Dieser kulturpolitische Diskurs, der sich um die Subventionsabstimmungen 1901, 1908, 1918 und 1928 kristallisierte, war von Anfang an ein Abgrenzungsdiskurs gegenüber der entstehenden Massenkultur. Er legitimierte das bis heute herrschende Subventionssystem fürs Theater einerseits, institutionelle Massnahmen gegen das Kino andererseits.

Laufzeit: April 2001 - April 2005