Dissertation
Christdemokraten, Architektur und kapitalistische Entwicklung in der Nachkriegszeit in Italien. Die Società Generale Immobiliare (SGI) von 1945 bis 1968

Dissertation
Davide Spina
Prof. Dr. Laurent Stalder
 



Der Fokus der Studien zur Architekturgeschichte der Nachkriegszeit Italiens liegt auf den Arbeiten von progressiven Unternehmen, Publikationen und Architekten, während die Aktivitäten von konservativen Institutionen und Individuen meist unbeachtet bleiben. In der Regel werden für die Studien zwei Hauptquellen verwendet: Dies sind zum einen die bildlichen Quellen und zum anderen die in der öffentlichen Berichterstattung dokumentierte Diskussion von Gestaltern und Kritikern. Das vorliegende Projekt unterscheidet sich sowohl in der Thematik als auch der Methode von vorangegangenen Studien. Durch die Analyse unveröffentlichter Dokumente eines italienischen Bauunternehmens wird Licht auf die Produktion von Architektur und urbanem Raum im christlich-demokratischen und US-amerikanisch beeinflussten Italien der Nachkriegszeit geworfen. Die Analyse fokussiert sich auf die Aktivitäten des römischen Bauunternehmers Società Generale Immobiliare (SGI) im Zeitraum zwischen 1945 und 1968. Die SGI war während der Nachkriegszeit die grösste Baugesellschaft Italiens, arbeitete mit namhaften Architekten und verwirklichte zum Teil umstrittene Grossprojekte. Im untersuchten Zeitraum war der Vatikan der grösste Aktionär der SGI, und die Firma unterhielt enge Geschäftsbeziehungen mit amerikanischen und kanadischen Partnerunternehmen. Die Studie verlagert den Schwerpunkt der Architekturgeschichte von den Gestaltern hin zum Patronat, indem sie sich mit der Ideologie des Unternehmens, seinem Geschäftsmodell, seiner Rolle im transatlantischen Austausch und seinem Einfluss auf die italienische Architekturproduktion und deren Diskurs in der Nachkriegszeit beschäftigt.