Dissertation
Das Geschäft mit der Ästhetik. Der Architekt Fritz August Breuhaus (1883–1960) als Publizist

Dissertation
Richter, Tilo
ETH Zürich / Prof. Dr. Andreas Tönnesmann (Korreferent: Dr. Reinhard Sänger)
 



Fritz August Breuhaus (1889–1960) arbeitet bereits als junger Architekt parallel zu seiner Entwurfs- und Bautätigkeit intensiv an der Publikation und Vermarktung seiner Gebäude und damit seiner selbst. So entsteht gleichzeitig zu dem von ihm initiierten Grossprojekt Gartenstadt Meererbusch bei Düsseldorf (1910–1914) eine erste opulent ausgestattete Buchpublikation. Breuhaus erläutert darin seine Absichten als Architekt, Gestalter und – Geschäftsmann. Diesem Band von 1911 folgt bis 1961 die stattliche Reihe von neun weiteren Architekturbüchern, die ausschliesslich dem eigenen Schaffen gewidmet sind, und ein Lyrikband. Von 1912 an publiziert vor allem der befreundete Verleger Alexander Koch zahlreiche Beiträge von und über Breuhaus in seinen Architekturperiodika, vorwiegend im Fachblatt Innen-Dekoration. Diese Artikel und insbesondere die Bücher dienen Breuhaus dazu, potenzielle Bauherren mit geeignet repräsentativen Mitteln zu erreichen und sich als Schöpfer individueller Lebenswelten zu empfehlen. Spätestens mit der breit wahrgenommenen Innenausstattung des Ozean-Schnelldampfers Bremen (1929) und mit der Gestaltung der Innenräume des Zeppelin-Luftschiffes LZ 129 Hindenburg (1936) etabliert sich Breuhaus als einer der wirtschaftlich erfolgreichsten deutschen Architekten seiner Zeit. Ebenso zahlreiche wie zahlungskräftige Klienten beauftragen ihn während mehr als fünf Jahrzehnten mit dem Entwurf privater Wohnhäuser und exklusiver Interieurs. Zu seinen Auftraggebern gehören der Schauspieler Paul Henckels, der Maler Albert Baur, der Verleger Alexander Koch und der «Silberpfeil»-Pilot Rudolf Caracciola. Der Architekt und Gestalter ist während Jahrzehnten auch Partner führender deutscher Industrieunternehmen, unter ihnen die Württembergische Metallwarenfabrik (WMF), die Deutschen Werkstätten in Dresden-Hellerau, die Münchner Vereinigten Werkstätten für Kunst im Handwerk, der Stuhlhersteller Thonet in Frankenberg und die Rheinische Tapetenfabrik, Beuel a.Rh. Als Spezialist für «mobile Architektur» gestaltet er Passagierkabinen und ganze Raumensembles für die Deutsche Reichsbahn-Gesellschaft, die Mitteleuropäische Schlaf- und Speisewagen Aktiengesellschaft (Mitropa), mehrere Flugzeughersteller, den Norddeutschen Lloyd und die Luftschiffbau Zeppelin GmbH.
Breuhaus’ architektonisches und gestalterisches Werk wird von bekannten Fotografen dokumentiert: Erwin Quedenfeldt, August Sander, Hans Finsler und Emil Leitner prägen das Image des Architekten mit. Das elf Bücher umfassende Konvolut der Breuhaus-Publikationen genauer zu analysieren und diese ‹Visitenkarten› des Baumeisters und Selbstvermarkters im Kontext zeitgleich erschienener Architekturbücher zu analysieren, ist Gegenstand dieser Untersuchung. Die von Breuhaus explizit formulierten Gegenpositionen zur «Weissen Moderne» und zu Le Corbusiers «machine à habiter» werden ebenso untersucht wie formale Aspekte seiner Publikationen von der Buchausstattung über die Typografie bis hin zur Architekturfotografie.


Laufzeit: 2005–2008