SNF-Forschungsprojekt
Der Raum im Städtebau 1890-1930: Positionen in Theorie und Praxis

SNF-Forschungsprojekt
Prof. Dr. Vittorio Magnago Lampugnani, Rainer Schützeichel
2014–2016
 



Im europäischen Städtebau setzte zum Ende des 19. Jahrhunderts eine Suche nach historisch legitimierten, einfachen Kompositionsprinzipien ein, von der eine Reihe von Untersuchungen historischer Stadträume Zeugnis ablegt. Im sogenannten künstlerischen Städtebau wurde der Raum als zentrales Gestaltungsinstrument entdeckt.
Unter dem Einfluss der Wahrnehmungspsychologie und eines neuen Raumverständnisses in Kunst- und Architekturtheorie rückte der Raum auch in den Fokus der Städtebautheorie. Gegenstand des Forschungsprojekts ist die Analyse des städtebautheoretischen Raumdiskurses, der sich ausgehend von der Rezeption der Schrift des Stadtplaners und Theoretikers Camillo Sitte, «Der Städte-Bau nach seinen künstlerischen Grundsätzen» (1889), im deutschen Sprachraum während des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts entfaltete. Sittes Werk stellt eine grundlegende Initialschrift für den künstlerischen Städtebau dar, in welcher der Verfasser historische Plätze auf ihre räumlichen Qualitäten hin untersucht. Anhand exemplarischer Positionen – darunter jene von Karl Henrici als frühestem Vertreter der Sitte-Rezeption in der planerischen Praxis – analysiert das Forschungsprojekt den damals hochbrisanten und heute wieder aktuellen Raumdiskurs.
Das Projekt untersucht den Raum im Städtebau in einer historischen Perspektive auf zwei Ebenen: auf einer textlichen Ebene durch die Analyse von Quellentexten, und auf einer bildlichen Ebene mithilfe der Analyse städtebaulicher Projekte. Es verfolgt einen ideengeschichtlichen Ansatz und bindet die Untersuchung des philosophischen und kunsttheoretischen Raumdiskurses ein, um deren Einflüsse auf die Städtebautheorie zu erhellen. Damit strebt es eine Klärung des städtebaulichen Raumbegriffs an, die eine Grundlage für einen angemessenen zeitgenössischen Umgang der Disziplin Städtebau mit dem Raum bildet.