Dissertation
Die Bühne als Raumlaboratorium. Hendricus Theodorus Wijdeveld und das dialogische Verhältnis zwischen Theater und Architektur

Dissertation
Suse Koch
 

Neue wahrnehmungsphysiologische Erkenntnisse lösten um 1900 einen Diskurs über den Raumbegriff in der Architektur und den Künsten aus, in dessen Folge die Bühne zum Experimentierfeld der Moderne avancierte. Raumbildende Prozesse wurden in der Interaktion von Mensch und Umraum neu ausgelotet, theatrale Gestaltungsmittel in der Wechselwirkung von Licht, Farben und Formen. Für den Übergang vom Bühnenbild zum szenischen Raum konnte das zeitgenössische Reformtheater von den Beiträgen zahlreicher Architekten profitieren, welche ihrerseits die hier gemachten Erfahrungen in ihre eigene Disziplin zurücktrugen. Das Forschungsvorhaben verhandelt die sich gegenseitig befruchtenden Beziehungen zwischen Bau- und Bühnenkunst. Es fragt insbesondere nach der Rolle der Bühne als „Raumlaboratorium“ für Architekten.
Zwei Fallstudien – die Internationale Theaterausstellung in Amsterdam (1922) und das Œuvre des niederländischen Architekten Hendricus Theodorus Wijdeveld – bieten ideale Projektionsflächen für die zu analysierenden Austauschprozesse. Die Ausstellung 1922 gibt einen Überblick über die zeitgenössischen Positionen in der Bühnengestaltung. Kuratiert wurde sie federführend von Hendricus Th. Wijdeveld. Anhand dessen Werkes lassen sich konkrete Interaktionen zwischen den Kunstgattungen aufzeigen. Neben der Architektur befasste er sich mit Theorie und Praxis der Theaterkunst in all ihren Erscheinungsformen: vom Theaterbau über die Gestaltung szenischer Räume bis hin zum Entwurf von Kostümen und Masken.