Dissertation
Kontinuität und Krise Ursprünge. Netzwerke und Vermächtnisse im Werk von Giuseppe Vaccaro, 1930-1970

Dissertation
Giorgio Azzariti
Prof. Dr. Laurent Stalder
ab Oktober 2020
 


Der eklektische Architekt Giuseppe Vaccaro (1896 - 1970) hat während seiner langen Karriere einen persönlichen und komplexen Werdegang gezeichnet. Er erlangte schnell eine herausragende Stellung in der internationalen Architekturszene: Gewinner des Wettbewerbs für den Palast der Nationen in Genf (1926), Autor des neuen Ministeriums für Unternehmen in Rom (1930) und des Postamts in Neapel (1933), erreichte Vaccaros Bekanntheit in den 30er Jahren ihren Höhepunkt; aber schon in der unmittelbaren Nachkriegszeit nahm die mediale Aufmerksamkeit ihm gegenüber allmählich ab, und in den Jahren nach seinem Tod geriet er Vergessenheit.
Wenn wir uns seine vielen Bauten in Erinnerung rufen, werden wir Zeuge der Schwierigkeit, ein gemeinsames Muster zwischen den verschiedenen Projekten aufzuspüren, des Fehlens eines festen Stils, der sie alle in Erinnerung rufen kann: "Wenn der Stil lebendig bleiben soll, muss er ständig neu geschaffen werden" (Vaccaro, Convincimenti. In Stile n.27, März 1943). Man hat den Eindruck, dass Vaccaros Position zum Schweigen verurteilt war, weil sie sich den kritischen Formeln entzieht, die ausgearbeitet wurden, um die italienische Architektur jener Jahre zu rahmen; dies, zusammen mit seiner Zurückhaltung beim Schreiben, hat ihn lange Zeit von einer von kohärenten und ideologischen Standpunkten angezogenen Geschichtsschreibung ferngehalten.
Anhand ausgewählter Werke Vaccaros, der Erforschung der Verbindung zu zwei anderen Architekten, mit denen er einen Großteil seines beruflichen Glücks teilte - Luigi Moretti (1906 - 1973) und Adalberto Libera (1903 - 1963) - und der Untersuchung der Affinität zum Denken von Denise Scott Brown und Robert Venturi (angestoßen durch eine Beziehung, die 1956 in Rom begann), zielt die Forschung darauf ab, über die ausschliessliche Erweiterung und Vertiefung der italienischen historiographischen Landkarte des zwanzigsten Jahrhunderts hinauszugehen.
Einerseits soll gezeigt werden, wie die innovativen und heterogenen Formen der italienischen Architektur der 1950er und 1960er Jahre in den historischen Wechselfällen und der Haltung von Persönlichkeiten wie Vaccaro, Moretti und Libera wurzeln, denen der Glaube an die Architektur als kontinuierliche, ideologiefreie Selbstkritik gemeinsam war. Andererseits soll die aktuelle Relevanz und Wirkung ihres zusammengesetzten architektonischen Erbes innerhalb zeitgenössischer, internationaler Positionen untersucht werden.

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