Forschungsprojekt
Konrad von Meyenburg. Zwischen Landwirtschaft und Siedlungsbau

Forschungsprojekt
Gregory Grämiger
2018–2019
 

Den Schweizer Maschineningenieur Konrad von Meyenburg zum Thema einer architekturhistorischen Forschung zu machen, mag erstaunen, machte er sich doch in erster Linie mit der Erfindung einer Bodenfräse zur mechanischen Auflockerung der Erde einen Namen. Er kam allerdings in den 1910er Jahren über die Landwirtschaft und Ernährungsfrage in engen Kontakt mit der Siedlungsreformbewegung und wurde schon bald eine ihrer lautesten Stimmen. Als Gründungsmitglied der Schweizerischen Gesellschaft für Ansiedlung auf dem Lande, die 1919 in den Schweizerischen Verband zur Förderung des gemeinnützigen Wohnungsbaus überging, trat er in Austausch mit Genossenschaftlern aus dem Umfeld des Verbands Schweizerischer Konsumvereine, der Bauherrin der Siedlung Freidorf bei Muttenz. Mit Hannes Meyer, dem Architekten der Siedlung, verband Konrad von Meyenburg schon bald eine tiefe und langanhaltende Freundschaft, die nicht zuletzt zu einem Engagement des Ingenieurs am Dessauer Bauhaus während Meyers Direktorenzeit führte. Schon zuvor hatte er sich lautstark um eine Typisierung, Normierung und Rationalisierung des Bauwesens eingesetzt und unter anderem mit Hans Bernoulli und Paul Artaria zusammengearbeitet. In den 1920er Jahren entwickelte er ein quasisakrales Theoriegebilde, das zahlreiche Stimmen der Philosophie und Wissenschaft zu einem Amalgam vereint, darunter insbesondere die Idee des Naturgesetzes der Plasmatik von Raoul Heinrich Francé. Die Schriften und Theorien von Hannes Meyer offenbaren, dass sein Freund Konrad von Meyenbrug wesentlichen Einfluss auf sein Denken ausübte.