Seminar für Doktorierende
Methoden der Architekturgeschichte und -theorie HS17

Seminar für Doktorierende
Veranstalter: Doctoral Program
Dozierende : Prof. Dr. Ita Heinze-Greenberg
Zeit : Donnerstags 15:00 - 16:30 (ab dem 5. October)
Ort : HIL E 29.1
 



Herbstsemester 2017

Die geisteswissenschaftliche Forschung wird derzeit durch das Phänomen des Methoden- und Theorienpluralismus geprägt. Das breite Spektrum an heterogenen Strategien und Systemen zeitigt nicht selten Unübersichtlichkeit; das Fehlen einer dominierenden Leittheorie löst mitunter Orientierungslosigkeit aus. Andererseits lässt sich dieser Umstand als Herausforderung annehmen und zu einer vielversprechenden individuellen Denkschulung ummünzen. Unter der Massgabe, dass der Begriff ‚Theorie’ längstens nicht mehr für ‚Wahrheit’ steht, noch eine ‚Methode’ für ihre unmittelbare Anwendbarkeit bürgt, versteht sich das Seminar als Angebot für Doktorierende, unterschiedliche Perspektiven auf den eigenen Forschungsgegenstand zu öffnen.

Der auf zwei Semester angelegte Kurs wird grundlegende Denkmodelle der Architekturgeschichte und benachbarter Disziplinen – Kunst- und Technikgeschichte, Soziologie, Philosophie, Geschichts- und Kulturwissenschaften, Kommunikationsforschung – anhand von exemplarischen Texten vorstellen und kritisch diskutieren.

Das Herbstsemester beginnt mit den klassischen kunsthistorischen Interpretationsverfahren wie Formalismus (Heinrich Wölfflin) sowie Ikonografie und Ikonologie (Aby Warburg, Erwin Panofsky). Darauf folgt eine Betrachtung phänomenologischer und hermeneutischer Ansätze (Martin Heidegger, Christian Norberg-Schulz, Susan Sontag). Weitere Sitzungen beschäftigen sich mit der Geschlechterforschung, bzw. der feministischen Kunstgeschichte (Linda Nochlin und Beatriz Colomina) und der postkolonialen Theorie (Edward Said, Giorgio Agamben). Darüberhinaus werden ein Workshop und einzelne Sitzungen zum akademischen Schreiben und zur Erstellung des Forschungsplans angeboten.

Im Frühjahrssemester liegt der Fokus zunächst auf den Denkmodellen des Strukturalismus und Poststrukturalismus (École des Annales, Michel Foucault, ANT). Die Architekturgeschichtsschreibung der Nachkriegszeit und ihre unterschiedlichen Denkansätze wird anhand der Lektüre von Texten ihrer Protagonisten vorgestellt (Sigfried Giedion, Bruno Zevi, Reyner Banham).


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Texte


Formalism / Iconography

Heinrich Wölfflin, Prolegomena to a Psychology of Architecture 

Heinrich Wölfflin, Prolegomena zu einer Psychologie der Architektur, 1886 

Heinrich Wölfflin, Kunstgeschichtliche Grundbegriffe, 1915 

Heinrich Wölfflin, Principles of Art History 

Aby Warburg, Mnemosyne 


Phenomenology / Hermeneutics

Martin Heidegger, Building Dwelling Thinking, 1951 

Martin Heidegger, Bauen Wohnen Denken, 1951 

Susan Sontag, Against Interpretation, 1966 

Christian Norberg-Schulz, Bauhaus, 1980 

Ulrike Sturm, 'Against Interpretation' oder eine Begegnung mit dem Bauhausgebäude in Dessau, 2009 


Gender Studies / Postcolonial Theory

Virginia Woolf, A Room of One's Own, 1929 

Linda Nochlin, Why have there been No Great Women Artists?, 1971 

Hannah Arendt, We Refugees [1943], 1994 

Beatriz Colomina, Battlelines: E.1027, 1996 

Edward Said, Reflections on Exile, 1984 

Giorgio Agamben, What is a Camp?, 1994  

Kontakt


Prof. Dr. Ita Heinze-Greenberg