Werner Oechslin
Professor emeritus
Bibliothek

Ende 1998 wurde die Stiftung Bibliothek Werner Oechslin mit Sitz in Einsiedeln gegründet und zu Beginn des Jahres 1999 ein Nutzungsvertrag mit der ETH Zürich abgeschlossen. Damit konnten die idealen Voraussetzungen für eine erfolgreiche Arbeit der Stiftung geschaffen werden. Als selbständige, kleine und dynamische Institution, die durch die feste Verbindung zur ETH Zürich in die Hochschullandschaft eingebunden ist, soll die Bibliothek Werner Oechslin zu einem Kompetenzschwerpunkt werden, zu einem Zentrum wissenschaftlicher Forschung. Im Rahmen ihrer Schwerpunktsetzung versucht die Stiftung Bibliothek Werner Oechslin, Leistungen von internationaler Bedeutung und Ausstrahlung zu erbringen. Die Bibliothek versteht sich dabei als lebendiger Ort des geistigen Austausches. Junge und erfahrene Vertreter verschiedener Wissens- und Kulturzweige treffen hier aufeinander, Wissenschaftler aus den unterschiedlichsten kulturellen Regionen und Sprachgebieten pflegen das fachliche Gespräch. Die Stiftung möchte einen bedeutenden Beitrag zur Kultur und Wissenschaft, insbesondere zur Architektur, und damit zur Situierung der Geisteswissenschaften leisten. Sie richtet dabei das besondere Augenmerk auf eine gezielte Talentförderung. Die wissenschaftlichen Aktivitäten der Stiftung Bibliothek Werner Oechslin werden durch einen Beirat begleitet, der sich aus renommierten Kennern der Architektur- und Kunstgeschichte und im weiteren Sinne der Kulturgeschichte zusammensetzt.

Auf die aussergewöhnliche Qualität der Bibliothek Werner Oechslin ist von vielen Seiten hingewiesen worden. Die Initiative, diese Quellensammlung einer wissenschaftlichen Öffentlichkeit zugänglich zu machen, erregte in aller Welt Aufsehen und veranlasste viele prominente Wissenschaftler zu positiven Reaktionen. Aber auch Institutionen, wie etwa die International Society for Intellectual History, die den kultur- und wissenschaftsgeschichtlichen Zusammenhang als aktuelle Forschungsaufgabe erkannt haben, begrüssten diesen Schritt.

Die Stiftung Bibliothek Werner Oechslin unterstützt die folgenden wissenschaftlichen Projekte:

Architekturtheorie


Dieser Forschungsschwerpunkt verfolgt die systematische Aufarbeitung der architekturtheoretischen Literatur im Sinne einer umfassenden wissenschaftsgeschichtlichen Erschliessung und Katalogisierung der Quellenschriften (Zensus). Das Projekt bildet die Grundlage für spezifische Einzeluntersuchungen, die sich auf Teilbereiche wie auf besondere Fragestellungen architektonischer Theoriebildung beziehen (etwa Zeichnung, Modell, Bild-Text-Diskurs, Begriffsbildung, Entwurfsstrategien u.a.m.). Der "Zensus" basiert auf Forschungsarbeiten, die seit 1989 am Institut gta (Institut für Geschichte und Theorie der Architektur) der ETH Zürich geleistet werden.

Internationale Barocksommerkurse


Einsiedeln ist mit seinem Kloster, einer der bedeutendsten barocken Klosteranlagen auf Schweizer Boden, zweifelsohne der geeignete Ort für Barockstudien. Alljährlich findet im Sommer ein Studienkurs statt, der insbesondere dem Austausch und der Begegnung jüngerer Forscher mit erfahrenen Wissenschaftlern dient und dabei ein Rahmenthema bearbeitet (so etwa Barock und Universalismusvorstellungen, Barock und Moderne, Migration, Barock und Gotik u.a.m.). Der Barock kann heute als Modellfall für Probleme der Vernetzung und Komplexität gelten. Der angestrebte Zugang, Geschichte und Theorie mit interdisziplinären und aktuellen Fragestellungen zu konfrontieren, soll zu neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen führen.

Kongresse/Tagungen


Die kulturhistorische Ausrichtung der Bibliothek Werner Oechslin soll sich auch in Zukunft immer wieder in Tagungen und grösseren Kongressen konkretisieren. Nach Piero della Francesca, Hypnerotomachia Poliphili, Ruskin, Viollet-le Duc und Semper sind weitere Veranstaltungen geplant, die die Möglichkeit bieten sollen, die einzelnen Forschungsbeiträge am vorhandenen Quellenmaterial zu prüfen.

Einsiedler Architekturgespräche


In regelmässigen Abständen sollen mit prominenter internationaler Beteiligung Gespräche zu aktuellen und gleichermassen grundsätzlichen Themen der Architektur geführt werden. Das "Gespräch" steht dabei für den intensiven Austausch, bei dem Erfahrung und spontane Ausdrucksweise genauso von Bedeutung sind wie das Bemühen, für die Probleme der heutigen Architektur Lösungen zu formulieren.